Die vier Phasen von Kicks

2019-01-17T13:58:55+00:00

Richtig Treten ist ja eine Kunst für sich. Im Taekwondo haben sie ihre uneingeschränkte Expression gefunden. Aber darum soll es heute nicht gehen. Richtig oder falsch lassen wir mal beiseite, es geht hier viel eher um eine Analyse der Bewegungsphasen von Kicks und deren Möglichkeiten der Anwendung.

In meinem praktizierten System (Kyusho Combatives) konzentrieren wir uns zu Beginn auf folgende Kick-Varianten:

  • Kniestoß,
  • Frontkick,
  • Sidekick,
  • Roundhouse-Kick,
  • Inside-Kick und
  • Outside-Kick. 

Alle diese Kicks, ausgenommen das Knie, sind gleich aufgebaut. Kniestoß, Streckung des Beines, Zurückziehen des Fußes, eine beliebige Form des Absetzens.

Grundlegende Annahmen

Was von Anfang an klar sein muss, jede Komponente des Kicks, also jede einzelne Bewegung hat einen kämpferischen Aspekt. Keine Bewegung ist überflüssig oder wird einfach so zum Spaß gemacht, oder nur als Ausholbewegung praktiziert. Was ich dazu noch betonen muss, besonders innerhalb von Kyusho Combatives, Kicks werden speziell in kurzer Distanz angewendet. Das heißt natürlich nicht, dass Kicks in mittlerer oder langer Distanz rausfallen. Aber Kyusho Combatives bringt absichtlich Kicks in die Nahdistanz.

Also gehen wir im jetzigen Stadium von zwei Grundbedingungen aus. Jede Bewegung des Kicks hat eine kämpferische Anwendung und wir befinden uns in der Nahdistanz.

Umsetzung der vier Kick-Phasen in der Anwendung

Wie also nähern wir uns jetzt dem unserem Training den vier Komponenten unter diesen Voraussetzungen an? Wie bringen wir die Kicks in der Nahdistanz unter? Und wie lässt sich das auf die vier Komponenten übertragen?

Was hier vielleicht jetzt ein bisschen kurios, gewöhnungsbedürftig und kompliziert klingt, ist in der Praxis viel eingänglicher.

Jeder Kick beginnt mit einer ersten Bewegung. Zu allererst kommt das Knie. Die Anwendung oder die Position vom Kniestoß erfolgt aus der Position, in die ihr euch hineinbewegt. Das Knie ist demnach größtenteils selbsterklärend. Nach der ersten Bewegung folgt die zweite Bewegung. Strecke das Bein zum „eigentlichen“ Kick. Je nachdem welchen Kick Du anwendest, ergibt sich die Form der Beinstreckung. Im Anschluss folgt die Rückzugbewegung des Fußes. Auch hier bestimmt die Form des Tritts die Art der Rückzugbewegung. Einzig und allein ist die Absetzbewegung einem etwas größeren Interpretation Rahmen unterworfen. Setzt Du vorne ab, nah am Standbein oder setzt Du hinten ab.

Wie schon gesagt, kompliziert ist anders, oder?

Die Form der „Tritt“ Bewegung ist festgelegt. Eine Bewegung folgt der nächsten.

Die größte Schwierigkeit liegt oft darin, wir sind zu nett. Wir bewegen uns um den Partner rum. Die Form des Trittes ist explizit vorgegeben. Sie weicht dem Partner nicht aus, sondern muss durch ihn durchgehen und wird ihm aufgezwungen.

Klingt einfacher als getan. Wie soll es praktisch aussehen? Wie trainieren wir das?

Genauso, wie es halt in der Theorie aussieht!

#1 Kniestoß

Wir nehmen den Kick auseinander und fangen mit der ersten Bewegung an. Jetzt bringen wir das Knie in unsere Techniken hinein. Nachdem wir uns positioniert haben, erfolgt ein Angriff mit einem Kniestoß. Das lässt sich toll in die Arm Destruction einbinden oder in mögliche Uke Waza.

#2 Beinstreckung

Wenn das sitzt und meiner Erfahrung nach, sitzt der Kniestoß relativ schnell, folgt die zweite Bewegung, die wir an den Kniestoß anfügen. Bleib also bei deinen Anwendungen und lass einen Kniestoß mit nachfolgender Streckung des Beines folgen. Und denk daran, sei nicht zu nett. Zwing dem Partner die ganze Form des Trittes auf.

#3 Rückzugbewegung

Jetzt wird es ein bisschen Tricky. Die Rückzugbewegung des Fußes ist nicht immer gleich einleuchtend. Aber Du gehst genauso vor, wie bei Bewegung 1 und 2. Schau, ob sich Ziele ergeben. Erst Kniestoß, dann die Streckung des Beins und anschließend die Rückzugbewegung des Fußes.

Mir persönlich haben zwei Gedanken gut geholfen.

Der erste Gedanke; die Rückzugbewegung ist ein direkter Angriff, die auf den Angriff der Beinstreckung folgt. So sollte es auch immer trainiert werden. Der zweite Gedanke dreht sich um die Positionierung des Fußes. Die Rückzugbewegung leitet die Absetzbewegung ein, also positioniert den Fuß für die Folgebewegung.

#3 Absetzbewegung

Zum Schluss folgt die Absetzbewegung. Hier gilt analog der Vorgedanken; geh in deine Anwendungen, ergänze sie mit einem Kniestoß, welcher in eine Streckung des Beines übergeht, dieses wird zurückgezogen und schließlich setzt ihr zielgerichtet ab. Das Absetzen ist, wie schon erwähnt, mit vielen Freiheitsgraden verbunden. Das Absetzen kann einen Take Down bedeutet, also sozusagen eine Art „Sichel“. Sie kann ein Stampfangriff sein. Sie kann ein Absetzen auf dem gegnerischen Fuß sein. Sie kann ein Leg Trap sein. Oder sie ist einfach ein stabiles positionieren des Beines für Folgeangriffe.

Dies genügt für den Anfang als kleine Einführung in die vier Komponenten von Kicktechniken, im speziellen Fall des Infights/Nahkampfes. Dies sind erste einführende Gedanken und Überlegungen, somit noch nicht die ganze Wahrheit aber ein wichtiger Teil.

Grundlegend gehen diese Überlegungen auf ein einziges Prinzip zurück. Greife mehrere Ziele an, sodass Du selbst wenn Du eines nicht triffst, immer noch zwei oder drei Folgen.

Viel Spaß beim Ausprobieren und Trainieren.

/Wir sehen uns auf der Matte

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