10 Hinweise für noch mehr Kampfkunst!

2019-02-21T11:04:22+00:00

Wir machen ja alle Budo, wenn wir voll tief in unserer Kampfkunst drin sind. „Budo“ klingt oft für mich dabei etwas abgedroschen und echt abgenutzt. Ich beschreibe es jetzt einfach mal mit „MEHR“. Fülle Deine Kampfkunst mit MEHR als bloßer Bewegung.

#1 NIMM DEINE KAMPFKUNST ERNST

Dein Training ist eine wichtige und ernste Sache. Deine Kampfkunst ist nicht nur eine Arbeitsausgleichsmaßnahme!

Wir machen heutzutage so viele Dinge einfach nur nebenbei. Die Kampfkunst ist jedoch keine Nebensächlichkeit. Willst Du Erfolge sehen, benötigt sie Deine volle Aufmerksamkeit. Natürlich nicht 24/7 aber zumindest im Training. Auch als Arbeitsausgleich kann eine Kampfkunst Wunder bewirken, jedoch wird sie so nie ihr ganzes Potenzial entfalten können.

Auch ist der eigentliche Inhalt von Kampfkunst nicht als Arbeitsausgleich gedacht. Kampfkunst ist Lebenskunst. Wenn Du auf deinem Weg voranschreitest, werden sich immer wieder Parallelen zu deinem Privat- und Berufsleben ergeben. Lösungen in der Kampfkunst, können somit auch Lösungen für Alltagsprobleme werden.

Dieses Potential enfaltet sich aber nur, wenn Du Kampfkunst in dein Leben integrierst, sie als Teil von dir ansiehst und akzeptierst. Sie kann dich verändern aber nur wenn Du es zulässt!

#2 ETIKETTE IST KEINE STÖRENDE PFLICHT

Die Etikette ist Teil des Trainings. Jemand, der die Etikette ehrt und befolgt, übernimmt irgendwann diese respektvolle Haltung in seinen Alltag. Ich erwische mich manchmal dabei, wie ich mich NUR ALS BEISPIEL lieber vor jemandem verbeugen möchte als ihm/ihr die Hand zu schütteln.

#3 ZU JEDER TECHNIK GEHÖRT EMOTION UND GLAUBE

Kampfkunst lehrt und das Kämpfen. Ein Schlag ist vielleicht nur ein Schlag aber ein Schlag mit Mut und dem Willen zum Sieg geführt, kann „MEHR“ werden. Eine Abwehr mit Ruhe, Gelassenheit und Zuversicht trainiert, wird im Ernstfall vielleicht den Unterschied machen. Es hat im weitesten Sinne mit Autosuggestion zu tun.

#4 ALLES SPIELT SICH IN DER GEGENWART AB

Letzte Woche war richtig mies und nächste Woche schreibe ich eine Klausur, ich habe noch nichts dafür getan. Was soll ich nur tun? In der Gegenwart leben, wäre eine Möglichkeit. Unser Leben spielt sich in der Gegenwart ab, nur hier haben wir direkten Einfluss. Außer wir telefonieren von Deutschland nach Amerika oder Asien 😉 Nein, Spaß beiseite. Trainiere auch in der Gegenwart. Deine Kampfkunst kannst du nur im jetzt beeinflussen.

#5 LASS DICH NICHT VON BEFÜRCHTUNGEN LEITEN

Ich werde die Technik, das Stresstraining, den Wettkampf jetzt sicher eh wieder verhauen. Das weiß ich jetzt schon. Jedes Mal dasselbe. STOP! Jede Kata, jede Technik, jedes Training, das du gerade machst, ist das Beste Deiner Kampfkunstlaufbahn. Es ist der weiteste Punkt von deinem Anfangspunkt und was die Zukunft bringt, weißt Du nicht. Belaste dich nicht mit Fehler, die Du noch gar nicht gemacht hast. Reflektiere im Nachhinein und nimm nicht Zukünftiges vorweg.

#6 SCHENKE DEINEN GEDANKEN UND GEFÜHLEN AUFMERKSAMKEIT

Schlag Nummer 1.000 und irgendwie sieht jeder Schlag gleich aus. Sah Dein Innerstes auch 1.000 gleich aus. Bei Schlag 100 stand ich im Ring und habe gegen jemanden gekämpft, der mir weitaus überlegen war. Ich hatte echt Panik. Schlag 300 war auf einem anstrengenden Seminar. Ich war so müde. Schlag 700 war auf einem Technikseminar. Der Trainer hat meine Technik vollkommen auseinander genommen. Was kann ich überhaupt? Ich war mega enttäuscht. Schlag 900 habe ich meinen Schülern gezeigt. Sie haben verstanden, was ich zeigen wollte. Ich war super stolz. Es war immer ein Schlag und doch war jeder Schlag anders. Meine Gefühle und Gedanken haben ständig gewechselt und meine reine Technikausführung positiv oder negativ beeinflusst. Ziel sollte es sein, seine Technik immer zu 100% auf den Punkt zu bringen. Dazu muss die technische Ausführung stimmen aber auch die Gedanken und Gefühle müsse verstanden und kontrolliert werden.

Und noch ein bisschen „MEHR“ für Deine Kampfkunst.BE WATER MY FRIEND. Abgedroschen? Ja, gut möglich aber vielleicht auch wahr. Die Kampfkunst ist der Teekessel, Dein Training ist das Wasser. Nur mit der bloßen Technik bekommst Du deinen Kessel nicht mal halb voll.

#7 NIMM DIR MEHR ZEIT ZUM ENTSCHLÜSSELN

Keine Zeit zu haben, ist ein Grundproblem unserer modernen Lebensführung! Zweifellos ist der Arbeitsdruck in den vergangenen Jahren zum Teil enorm gewachsen. Zu Recht schreiben Autoren wie der Kommunikationswissenschaftler Peter Glotz von der „beschleunigten Gesellschaft“.

Kampfkunst sollte sich aber neben dem Alltagsstress abspielen. Kampfkunst als Oase der Erholung, des Wissens und Lernens.

Sich für etwas Zeit nehmen, ist Lebensqualität. Ohne Stress und Druck seiner Kampfkunst nachgehen, immer tiefer forschen und nicht an ein Ende denken. Der Fluss fließt ja auch immer weiter. Einfach immer weiter!

#8 TRAINIERE IMMER EIN BISSCHEN MEHR

Wir werden gut in Dingen, die wir tun. Es heißt, man braucht 10.000 Stunden um eine Fertigkeit zur Meisterschaft zu bringen. Das sind ca. 4 Stunden Training á 5 Tage die Woche á 52 Wochen im Jahr auf 10 Jahre. Und weißt du was das Schlimme hieran ist? Das ist nur die quantitative Seiter der Medaille.

Qualität gehört natürlich auch dazu. Um Qualität in der Kampfkunst zu sichern, musst Du deine Augen immer offen halten. Blicke über den Tellerrand und trainiere Deine Kampfkunst. Konsumiere nicht nur, sondern mache dir die Inhalte wirklich zu Eigen. Dann trainierst Du nicht mehr den Schlag eines anderen, weil jener behauptet, dass dieser Schlag gut sei. Wenn Du hinterfragst und forscht, kannst Du irgendwann wahrlich behaupten, Du führst deinen Schlag aus.

Quantität und Qualität müssen stimmen.

#9 HALTE DEINEN GEIST IMMER OFFEN

Nur in Routinen gefangen zu sein, lässt deine Kampfkunst sterben. 5, 10, 20, 40 Jahre immer die gleichen Übungen zu machen, lässt deine Kampfkunst verdorren. Eine Kampfkunst muss leben, sie muss sich verändern und sie will wachsen. Denn wenn deine Kampfkunst wächst, wächst auch Du.

Sicherlich kannst Du behaupten, es ist viel falsches Zeug auf dem Kampfkunstmarkt und dieser wimmelt nur so von Scharlatanen – aber wen juckt´s!?

Menschen verfallen Betrügern weil sie sich etwas erhoffen. Sie wollen die eine Wahrheit. Sie wollen die Erleuchtung eines Fremden. Ein kritischer Kampfkünstler erstrebt keine fremde Erleuchtung. Mit Erleuchtung meine ich nicht die meditative Erleuchtung, sondern Wissen, Gedankenblitz, neue Erkenntnisse, eine allgemeingültige Wahrheit.

Ein Kampfkünstler möchte seine persönliche Erleuchtung. Sein Weg allein zählt und nicht der Weg eines Dritten oder irgendwelche Abkürzungen. Daher sollten Kampfkünstler auch nicht auf Scharlatane hereinfallen. Sie nutzen wenn überhaupt sein Wissen, sammeln eigene Erfahrungen, reflektieren diese kritisch und transformieren daraus etwas Neues und Eigenes!

Jedoch darfst Du für diesen Prozess nicht in alten Mustern gefangen bleiben. Öffne Deinen Geist, strecke deine Fühler aus und werde aktives Mitglied einer der gesamten Kampfkunstkultur der Welt.

#10 SEI EIN MEISTER, BLEIB EIN SCHÜLER

Als ich mit Karate begonnen hatte, war mein Ziel der Schwarzgurt. Ich habe zu den Schwarzgurten aufgeblickt und wollte so sein wie sie. Ein Meister, ein Meister, der respektiert wird, ein Meister, zu dem aufgeschaut wird.

6 Jahre später stehe ich vor meiner Schwarzgurt Prüfung und der Schwarzgurt hat irgendwie seine anfängliche Anziehungskraft verloren. Ich habe erkannt, ein Gürtel macht mich nicht meisterlich. Auch sehe ich ihn nicht mehr als Trophäe an, viel eher als ein Versprechen. Der Schwarzgurt macht dich nicht zum Meister, er macht dich zum Schüler.

Hier liegt das große Problem der Perspektive. Schwarzgurte werden von Außen als Meister angesehen. Mit großartigen Fertigkeiten und als weise Kampfkunstspezialisten. Gibt ein Schwarzgurt dieser Fremdperspektive nach und sieht sich ebenso als Meister der Kampfkunst, wird seine zukünftige Entwicklung stark begrenzt. Wieso auch sollte sich ein Meister mit großartigen Fertigkeiten und enormer Weisheit auch weiterbilden?

Sieht sich jedoch ein Meister als Schüler der Kampfkunst, bleibt sein Geist offen. Er blickt sich um, trainiert weiterhin fleißig und sträubt sich nicht vor Kritik. Ein Meister-Schüler verschreibt sich dem Lernen. Dieser Meister lernt von anderen Meistern genauso wie von Kampfkunstanfängern.

Sich diesen Anfängergeist zu bewahren, macht für mich einen wahren Meister der Kampfkunst aus.

#10+1 HAB SPAß

Neben dem ganzen ernsten Gequatsche über Budo, Lernen, Weiterentwicklung und „MEHR“ machen, sollte eines nie auf der Strecke bleiben.

SPAß!!!

Mit einer positiven Einstellung, Neugier und Motivation fällt das Lernen gleich viel leichter. Wenn Du Spaß am Lernen hast, echtes Interesse an deiner Kampfkunst, Du zum Forscher wirst und deine offenen Fragen lösen möchtest, dann empfindest Du Lernen oder Training nicht als unangenehm. Lernen ist ein natürlicher Vorgang und gerade weil er natürlich ist, geht er mit Spaß Hand in Hand.

Lass dir von niemandem die Freude an deiner Kampfkunst nehmen; Nicht von irgendwelchen Meistern, von Lehrgangsteilnehmern, von stumpfen Kritikern, von MIR.

Basty

Jetzt die große und spannende Frage: Was ist, wenn ich das ganze Zeug nicht möchte? Ist dann meine Kampfkunst weniger Wert?

So etwas zu beantworten ist immer recht schwer. Würdest Du denn behaupten, dass Deine Kampfkunst dann weniger Wert besitzt? Kampfkunst ist eine individuelle Geschichte. Sie ist das, was wir daraus machen. Du kannst immer noch etwas MEHR machen. Dieses MEHR liegt aber immer bei dir. Es ist weniger Pflicht als die Kür weil Kampfkunst als Bewegung zu machen, ist schon eine Bereicherung für das eigene Leben.

/Wir sehen uns auf der Matte

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