Zwischen Praxis und Theorie in der Kampfkunst

2019-01-28T10:21:13+00:00

SOLLTE SICH JEDER DER KAMPFKUNST BETREIBT MIT THEORIE BESCHÄFTIGEN ODER LIEBER SEINE ZEIT AUF DER MATTE VERBRINGEN?

Eine mehr als berechtigte Frage, die Nils hier auf seinem Facebook Profil stellt. Und es blieb nicht stumm. Wir haben für dich die Antworten angeschaut und die Essenz herausgearbeitet. Nebenbei gab es noch zwei Kommentare von sehr angesehenen Meistern aus den USA (Chris Thomas und Dustin L. Seale). Auch unser Andree hat hierzu klar Stellung bezogen.

Auf geht’s!

Geben wir zunächst Andree und Nils das Wort, ebenso möchte ich meine Meinung hierzu kurz äußern.

ANDREE: „Bunbu Ryodo (文武両道), Pinsel und Schwert sind eins! Aber eben alles zu seiner Zeit“.

NILS: „Nur das eine oder nur das andere geht nicht. Alles auf dieser Welt hat zwei Seiten. Bunbu Ryodo – einer meiner liebsten Leitsätze“.

BASTY: „Als praktische Kunst kommt in der Kampfkunst die Praxis immer zuerst. Danach kommt die Theorie praxisorientiert hinzu. Wenn es soweit ist, wird es ein Wechselspiel“.

 

CHRIS THOMAS & DUSTIN SEALE ÜBER DAS VERHÄLTNIS VON PRAXIS & THEORIE

Zunächst möchte ich euch die ausführliche Antwort von Dustin Seale nicht vorenthalten und auch möchte ich nicht, dass Facebook sie verschluckt. Mit Genehmigung von Dusty darf ich sein Kommentar nutzen und übersetzen. Seine Worte zu meiner Anfrage: „Bitte übersetze es. Es bildet die Grundlage für unser Training im Kyusho Combatives“.

DUSTIN SEALE: Ich glaube, und es wird in unserem Programm so beschrieben, dass am Anfang bis zum Shodan, euer „Wissen/Theorie“ (für uns wären es Punktbezeichnung, Lage, Element, Yin oder Yang, Zerstörungszyklus und Erschaffungszyklus, Prinzipien der Kata-Interpetation, Prinzipien des Tuite-Jitsu, Prinzipien des Kyusho-Jitsu) zunächst grundlegend ist und zuerst aus Büchern auswendig gelernt wird und dann erst in jeder Technik auf der Matte umgesetzt wird. In dieser Phase ist der Wissens-/ Theorieteil noch ziemlich grundständig. So wie wir in den Schwarzgurt-Rängen aufsteigen, wird das Verständnis des Wissens / der Theorie tiefer. Wenn das Wissen und das Verständnis fehlen, wird man nicht in der Lage sein Situationen zu begegnen, die nicht zu unseren Gunsten ausfallen. Es ist nicht möglich anfangs nur „Kurze Ausschnitte“ zu lernen. Man muss eine solide Grundlage haben, und sobald diese da sind, werden die „Kurzen Abschnitte“ kommen aber wenn man nur „Kurze Ausschnitte“ ohne Grundlagen lernt, und man in eine Person/Gegner rennt, wo dieser Ausschnitt nicht funktioniert, wird man nicht wissen, wie man dies schnell behebt, gerade weil die Grundlagen fehlen.
Jetzt, nachdem all das gesagt wurde, glaube ich, Theorie Training sollte ungefähr ein Viertel der Trainingszeit ausmachen und der Rest wird auf der Matte verbracht. Boxen hat nur 4 Schläge aber Menschen verbringen ein Leben lang die 4 Schläge zu perfektionieren und zu lernen wie und wann man sie anwenden kann.
Einen anderen Theorieaspekt, den Nils hervorgebracht hat, betrifft Geschichte und Tradition. Ich glaube, das ist genauso wichtig wie alles andere ist, was es zu lernen gibt. Ich glaube, es hilft den Menschen Respekt zu lernen, vor dem, was sie lernen, Respekt vor denen, die den Weg geebnet und vor Ihnen gekommen sind, Respekt für jene, die mit ihnen lernen und Respekt für sich selbst. Ihr habt alle Respekt vor meinen Lehrern und Kollegen, denn ich erzähle euch von Ihnen und von den Dingen, die sie mir beigebracht haben. Ihr habt noch nie einige von Ihnen getroffen (einige haben GM Dillman getroffen) aber keiner von euch hat Leo Fong oder Wally Jay oder Remy Presas getroffen, trotzdem respektiert ihr sie immer noch, weil ich euch von Ihnen erzählt habe.
Theorie ist eine wichtige Komponente des Trainings, aber sie sollte niemals die Zeit auf der Matte überwiegen, wo man wirklich lernt, wie man dieses Wissen in verschiedenen Stress-Situationen anwenden kann. Aus diesem Grund lernt man in meinem Programm nur eine Handvoll Druckpunkte bis hin zum Shodan. Manche Leute unterrichten alle Punkte und Informationen und verbringen keine Zeit auf der Matte. um die Formationen unter Druck zu testen. In einer echten Begegnung auf der Straße können diese Menschen dieses Wissen zwar haben, jedoch wird es nicht ihre Hände und Füße erreichen, während sie verprügelt werden, weil sie es nie auf der Matte umgesetzt haben.

Ich möchte das Kommentar von Chris Thomas nutzen, um diesen Text knackig und kurz zusammenzufassen.

“Es ist sehr einfach. Lerne die Theorie auf der Matte, indem Du sie dort anwendest.”

CHRIS THOMAS
Uchi Uke
Tonfa
Top Kyusho Punkte
Age uke

10 BULLETS ÜBER DIE VERBINDUNG VON PRAXIS & THEORIE

  • Es gibt eine Verbindung von physischer Fertigkeit und theoretischen Wissen.
  • Theorie und praktische Ausführung gehören zusammen.
  • Das Interesse leitet einen irgendwann zur Theorie.
  • Es kommt darauf an, wie wichtig man seine Kampfkunst für sich nimmt.
  • Anfänger kommen oft über die Praxis hin zu Theorie.
  • Es ist immer eine Frage der verfügbaren Zeit.
  • Das eine kann ohne das andere nicht existieren.
  • Theorie taugt ohne Praxisbezug nicht. Hier muss man sich jedoch Fragen, was Praxisbezug eigentlich bedeutet?
  • Je tiefer man in die Praxis eintaucht, umso wichtiger wird die Theorie.
  • Ken zen ichi ( 剣禅一), was im weitesten Sinne bedeutet: „Körper und Geist sind ein und dasselbe“.

Das Thema ist mit Sicherheit noch nicht erschöpft und Bedarf jetzt deiner theoretisch-praktischen Mitarbeit. Was fällt dir noch zur Verbindung von Praxis und Theorie in den Kampfkünsten ein?

/ Wir sehen uns auf der Matte

B.

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