Vier grundlegende Gedanken zu Stellungen in den Kampfkünsten

2019-01-02T12:35:12+00:00

Über Stellungen in den Kampfkünsten wird viel diskutiert. Und um ehrlich zu sein, ist mir das Meiste davon egal und kommt mir überflüssig vor. Stellungen haben nichts mit Kampf zu tun. Kampf hat mit Kampf zu tun. Stellungen sind höchstens Mittel zum Zweck oder eine analytische Perspektive auf einen kleinen Teil von Bewegung.

Über die Zeit habe ich für mich vier Gedanken sortiert, die mich mit meinen Stellungen umfassend arbeiten lassen aber mich in meiner Kampfkunst nicht zu sehr einengen und mir sogar die Möglichkeit lassen unterschiedliche Kampfkünste mit einander zu kombinieren und „Stellungen“ zu vergleichen. 

#1 Stellungen sind Schnappschüsse von Schlüsselpositionen in der Bewegung

Obwohl sich ein Kampf ständig in Bewegung befindet, gibt es Positionen in der Bewegung, die einen besonderen Stellenwert einnehmen. In Bewegung befindet sich der Körper meist in einem dynamischen Gleichgewicht. 

Stellungen hingegen stellen Bewegungsübergänge dar, wo kurzzeitig das dynamische Gleichgewicht in ein statisches Gleichgewicht wechseln kann. Das bedeutet, dass hier neue Bewegungen beginnen können, alte Bewegungen enden, oder Bewegungen in Bewegungen fortgeführt werden.

Dies ist wichtig zu verstehen, denn es handelt sich dabei um eine mögliche Perspektive um auf Bewegungen zu schauen. Betrachtet man Stellungen, so befasst man sich mit den statischen Anteilen von Bewegungen. Eine andere Möglichkeit beinhaltet das Betrachten von Transitionen, also der Übergang von Stellung zu Stellung. Diese Perspektive blickt eher auf die dynamischen Bewegungsanteile.

Eine letzte Möglichkeit ist die Auflösung der Perspektiven von Stellung und Transition. Momentan ist dieser Zugang immer häufiger zu beobachten und zu lesen. Stellung und Transition wird mehr und mehr als Einheit gedacht. Ich finde diese Stoßrichtung toll, denn es macht die Kampfkunst dynamischer. Neue Einflüsse bereichern das Training enorm. Jedoch gehen bei einer Vermischung oder Einheit auch wieder Analysepotenziale verloren. Am besten sollte man alles drei nicht aus den Augen verlieren und mehr ergänzen als Perspektiven ersetzen.

#2 Der Körper richtet sich im Normalfall senkrecht zum Schwerpunkt aus

Abgesehen davon, dass dies auch meistens für dynamische Bewegungen gilt, lässt es sich doch schön an statischen Stellungen verdeutlichen. Nur wenn der Körper vertikal zum Schwerpunkt ausgerichtet ist, ist überhaupt ein statisches Gleichgewicht, ohne großen Kraftaufwand möglich.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Stellung kurz, lang, tief oder hoch ist. Wird die vertikale Struktur durch ein Hohlkreuz, zu starkes Vorlehnen, nach vorn gestreckten Hals oder zu stark gebeugte Knie, gebrochen, stimmt etwas mit der Stellung nicht.

#3 Stellungen orientieren sich an deiner natürlichen und komplexen Gelenkmechanik

Zum einen funktionieren Stellungen nur in einer körperlich vorgegebenen Gelenkmechanik. Keine Stellung darf  davon abweichen. Hierdurch entstehen gesundheitliche Schäden, sowie Kraftverluste, die aus kämpferischer Perspektive nicht sein sollten. Zum anderen musst Du deinen Bewegungsapparat als Ganzes wahrnehmen. Komplexe Bewegungen funktionieren nur im Gelenkverbund. 

Im Training soll dir die Stellung zeigen, wie Du deine Gelenke einzeln nutzen und belasten sollst und wie eine starke Struktur über das Zusammenspiel der Gelenke hergestellt wird.

#4 Stellungen verfolgen ein unterstützendes Ziel

Eine Stellung beinhaltet grundlegende Bewegungskonzepte; Verlagerung des Schwerpunktes, Nutzen der Schwerkraft, und Bewegungsrichtungen. Diese Konzepte sind für sich betrachtet nur halb. Sie müssen in Verbindung mit deinem kämpferischen Ziel und Bewegungen gesehen werden.

Einfach ausgedrückt, deine Stellung muss zu deiner Technik und Anwendung passen und diese optimal unterstützen, indem sie die Bewegungskonzepte zielgerichtet einsetzt.

/Wir sehen uns auf der Matte

 

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