Du kannst dich bereits verteidigen!

Erst wenn du lange und hart trainiert hast, kannst Du dich mit deiner Kampfkunst ordentlich verteidigen! Wer kennt diesen Spruch? Er ist überdimensionaler Bullshit!

Heute möchte ich mich kurzfassen. Sieh diesen Artikel als einen kleinen Anregungskick.

Das limbische System

Wenn wir uns unser Gehirn anschauen, nehme ich jetzt vereinfachungshalber eine grobe Teilung vor. Ein Teil des Gehirns ist alt. Hierzu zählen die super mega alten Schichten, das Reptiliengehirn und das limbische System. Alles hier ist hoch spontan und emotional. Und übrigens, hier ist unser Überlebensinstikt verankert. Merken, ist wichtig! 😉

Ach ja, und der andere Teil ist das neuere Gehirn. Der riesige Neokortex (Großhirn). Er überwacht rational Entscheidungen und macht uns zu vernunftbegabten Wesen.

Der Neokortex interessiert uns an dieser Stelle nicht. Aus dem einfachen Grund weil er für eine überlebenswichtige Verteidigung zu Beginn der Selbstverteidigung nicht notwendig ist.

Überleben passiert im limbischen System. Es ist spontan, emotional und entzieht sich unserer Kontrolle.

Kontrolle, wo keine Kontrolle möglich ist

Viele Kampfkünste möchten den Ernstfall kontrollieren.

Passiert das, tu dies. In jener Situation tu das. Du musst dich so bewegen, schützen und angreifen.

Dabei wird leider oft vergessen, dass diese Kontrolle nur eine Scheinkontrolle sein kann.

Eine Kampfkunst erlernen und deren Speicherung im Gehirn geschehen im Neokortex. Somit ist jede Bewegung in einem Ernstfall nicht abrufbar. Ist ja das falsche Gehirn!

Dieser Umstand wird dann so erklärt, dass die Bewegungen so oft trainiert werden müssen, dass sie zu „Reflexen“ werden. Wir müssen dem Körper Automatismen beibringen. Und das kostet Zeit!

Die Zeit haben wir nur meistens nicht! Hätten wir die Zeit, könnten wir natürlich über viele Wiederholungszahlen arbeiten aber wer hat heute noch Zeit. Es muss alles schnell gehen.

Wenn wir also annehmen, der Mensch muss sich erst zu verteidigen lernen, dann hat er viel harte Arbeit vor sich. Wir müssen die Kampfkunst in ihn reinprügeln, sie über ihn stülpen!

Ein anderer Ansatz

Ich glaube mit größter und tiefster Überzeugung daran, dass der Mensch die Kampfkunst nicht braucht, um sich zu verteidigen.

Die Verteidigung ohne Kampfkunst sieht zwar nicht so cool aus, aber hat bei Vielen auf dem Schulhof schon für viel Action gesorgt.

Was ist also mit der Kampfkunst? Ist sie somit überflüssig?

Wenn wir den Ansatz vertreten, jeder Mensch kann sich bereits verteidigen, dann ist Kampfkunst das Schleifen und Ausbilden dieser bereits angelegten und natürlichen Ressource des Menschen.

Die Konsequenz für die Kampfkunst ist, sie muss den Menschen anders betrachten. Nicht defizitär, ein Mensch, dem man etwas Neues und Besseres geben muss.

NEIN!!!

Die Kampfkunst muss ihm helfen aus dem Vorhandenen das Beste herauszuholen. Und damit verbunden, ist eine Änderung des Trainings!

Wieso muss sich dann das Training ändern?

Sag ich nicht 😉

Überleg doch einfach mal selbst in den Kommentaren!

Nachtrag Fazit

Der Artikel hat tatsächlich eine sehr große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Es ist super interessant und freut mich riesig, dass meine Gedanken aufgenommen, zerrissen, bearbeitet und weitergedacht wurden. Darum geht es hier. Nicht richtig oder falsch, sondern einfach weitergedacht.

Z.B. hier auf Facebook.

Dieses Fazit ist aufgrund der Reaktionen zu diesem Artikel entstanden. Einfach um Missverständnissen vorzubeugen.

Was meine ich damit, dass Du dich bereits verteidigen kannst und Du keine SV, Kampfkunst oder Kampfsport dazu benötigst?

Es ist ganz einfach. Der Mensch hat einen Überlebensmechanismus in sich. Ein Programm für seine Selbstverteidigung in Notsituationen. Darum benötigen wir keine Kurse, die uns eine neuartige und bessere Verteidigung beibringen.

Was wir aber nutzen können, sind Kurse, die unsere natürlichen Anlagen ausbilden und entwicklen. Ein Kurs, der gegen unsere Anlagen geht, ist vielleicht schön als Bewegungstherapie aber wird für den Notfall nicht nutzen. Ein Kurs, der unsere Anlagen entwickelt (von auswickeln) kann und wird nützlich sein.

Das meinte ich auch mit defizitärer Betrachtung des Menschen. Oft betrachten Kurse den Menschen defizitär. Also als würde ihm etwas fehlen und es muss ihm etwas Neues gegeben werden. Das ist meines Erachtens der falsche Ansatz.

Weil sich der Mensch bereits irgendwie verteidigen kann, müssen wir hier ansetzen.

/Respekt

By | 2018-01-17T10:46:41+00:00 Mai 30th, 2018|0 Comments

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