Eine kleine Philosophie des Kämpfens

An alle Hobby-Philosophen; Was ist Kampf für dich? Krisha Kops hat einen sehr persönlichen und tief-emotionalen Versuch gewagt. Vielleicht kannst Du für dich etwas mitnehmen?!

Heute möchte ich dir eine echte Internet Perle präsentieren. Ein wirklich großartiger Text. Ich habe ihn gefunden als ich das Internet nach der Philosophie des Kampfes durchforstet habe.

Es handelt sich um einen Gastbeitrag bei Munich MMA von Krisha Kops. Bitte schaut auf beiden Seiten kurz rein. Ich hatte zwar noch keinen Kontakt aber ich hoffe, das wird sich ändern. Beide Homepages sehen jedenfalls nach toller Arbeit aus!

Ich habe dir den kleinen Artikel kopiert und meinen Anmerkungen in Orange eingefügt. Willst Du den Artikel ohne lästige orangene Unterbrechung lesen.

Den Orginalartikel findest Du hier: Eine kleine Philosophie des Kämpfens von Krisha Kops

Warum kämpfen wir? Warum kämpfe ich? Warum die Schmerzen, die Anstrengung, der Zeitaufwand, der Schweiß, das Blut? Warum mit schweißtriefenden Menschen eng verzahnt auf dem Boden rumrollen? Warum uns mit Faust und Fuß ins Gesicht schlagen lassen? Ja, warum?

Diese Fragen stelle ich mir üblicherweise beim Kyusho. Jedoch habe ich noch nie tatsächlichen Vollkontakt gekämpft, vermutlich denkt man danach nochmal ganz anders über sein Kämpfen?!

Es gibt viele Gründe. Jeder hat andere. Für manche ist es der Ausgleich zum Alltag, dem Arbeitsleben. Oder einfach körperliche Ertüchtigung. Für andere sind es auch die Menschen, die Freunde, die man gewonnen hat. Oder aber das tief innewohnende Bedürfnis sich im Kampf zu messen. Etwas Archaisches, etwas zumeist Männliches. Sicher kann es auch eine Schule der Disziplinen sein, des Miteinander-Umgehens. Und auch Therapie, ein Ringen mit sich selbst, seinem Wesen, seinem Charakter, seinen Stärken und Schwächen.

Das macht die Kampfkunst gerade so spannend. Es ist so vielfältig und jeder kann etwas für sich rausziehen. Es gibt dabei kein falsch oder richtig, es geht um die persönliche Einstellung zu seiner Kunst oder zum Kampf an sich. Es würde auch keinen Sinn machen sich selbst Scheuklappen aufzuerlegen und dann andere belehren zu wollen. Ein wahrer Kampfkünstler akzeptiert die Wege anderer und versucht sie auf ihrem Weg mit seinem Wissen zu unterstützen, auch wenn sein Weg ein anderer ist.

Manch ein Soziologe wie Zygmunt Bauman behauptet, es sei ein unbewusstes Sich-schützen-wollen in unsicheren Zeiten. Ein Hegelianer würde möglicherweise argumentieren, dass das Andere, durch den ich mir erst bewusst werde, wer ich eigentlich bin, im Zeitalter von Kopie-und-Paste, dem immer Gleichen, verloren geht. Und wer ist mir mehr anders als ein Gegner. Manch ein Psychologe würde vielleicht im freudianischen Sinne antworten, dass Kampfsport etwas Masochistisches hat. Dass Thanatos, der Drang des Todes, verquickt ist mit Eros, dem Drang des Lebens. Das heißt, dass der Schmerz das Leben intensiviert. Fühlen wir uns im Nachhinein nicht etwas lebendiger, wenn wir die Triangle aufgeht, der Druck sich löst und wir wieder atmen können.

Diese Passage sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen. Nicht aufgrund des Inhaltes (okay, auch aufgrund des Inhalts), sondern aufgrund der unterschiedlichen Bezüge zu anderen Disziplinen. Kampf schneidet sie alle. Überall ist Kampf enthalten weil Kampf ein untrennbarer Teil der menschlichen Natur ist. Es zu verleugnen oder trennen, es überwinden zu wollen, ist wider des Menschen. Wir sollten es akzeptieren und in unser Leben integrieren. Damit arbeiten, um uns zu etwas Größerem, vielleicht auch um uns zu etwas Ganzheitlichem zu machen.

Für mich ist es aber immer noch mehr. Es ist gelebte Philosophie. Rousseau im Ring, Mill auf der Matte. Aus vielen Gründen. Aber vor allem weil es mir so viel über mich selbst beigebracht hat. Wir leben in Zeiten, in denen das Leben mosaikhafte Formen annimmt. Wir selbst werden zu einem Flickenteppich aus Ideen, Vorstellungen, Lebensweisen. „Patchwork-Identitäten“ nennen das die Soziologen. Wir leben mehrere Leben in einem. Wir sind hier Mütter oder Väter, dort Kampfsportler, jetzt Journalist, dann Briefmarkensammler, Rammstein-Fan oder was auch immer. Wir wechseln ständig unsere Arbeitsstelle, gar unseren Beruf, unsere Lebenspartner, Wohnorte, Interessen, Vorlieben. Wir sind überall gleichzeitig und doch nirgendwo. Wir sind viele. So schön diese Freiheit und Vielfalt ist, so zerreißend und widersprüchlich kann sie manchmal sein.

Wenn ich aber kämpfe, dann bin ich nur der Eine, nur ich. Ein ganzes. Dann gibt es kein dort mehr, nur noch ein hier. Kein früher oder später, lediglich ein Jetzt.

Meine Kampfkunst ist mein Anker. Sie hält mich auf Kurs, sie schützt mich vor dem alltäglichen Sturm. Schöner wie Krisha Kops hätte man es sicher nicht schreiben können. Wir leben mehrere Leben in einem. Wenn ich aber kämpfe, dann bin ich nur der Eine, nur ich.

Es ist spirituell, meditativ. Und das ist, was wahre Philosophie am Ende auch ist – oder zumindest sein sollte. Mit dem Hinduismus (auch dem Buddhismus) im Hinterkopf könnte man sagen, das Ego verschwindet. Man wird eins mit der Weltenseele, Ātman. Und erst wieder, wenn ich nichts bin, weiß ich, wer ich bin, so paradox es klingen mag. Und auch die Hegelianer haben Recht, denn erst wenn ich dem anderen entgegentrete, weiß ich wieder, wer dieses Ich ist. Und doch bin ich mir im Bilde, sobald ich dem Anderen von an Angesicht zu Angesicht gegenüberstehe, dass auch wir eigentlich Eins sind. Wer gewinnt, ist egal. Wir gewinnen immer und verlieren zugleich.
Darum kämpfe ich.

BOAH, GÄNSEHAUT PUR!

Mir läuft es jedesmal eiskalt den Rücken runter, wenn ich diesen Text lese. Und ich habe ihn oft gelesen!!!

Was sagst Du? Ist diese kleine Philosophie des Kämpfens eine Perle, ein Diamant des Internets? Hast Du dem noch etwas hinzuzufügen? Leg los und lass uns an deinen Gedanken teihaben 🙂

/Respekt und Offenheit

By |2017-11-12T16:12:01+00:00Mai 16th, 2018|0 Comments

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