Denke über deine Taten nach

Eine ziemlich banale Frage, oder?! Warum tun wir das, was wir tun, genau so, wie wir es tun? Natürlich ist die Antwort auf diese Frage und auf alles andere: „42“!

Bevor das Thema vollkommen aus dem Ruder läuft, lieber eingrenzen. Es geht um das Kampfkunsttraining. Wieso trainieren wir eine Kampfkunst auf diese oder jene Weise? Wieso gestaltet ein Trainer, Sensei, Shihan, Sifu, YamYam? sein Training genau so, wie er es tut?

Was steckt hinter der 42?

Leider oder zum Glück gibt es die Antwort auf Alles nicht. Meist ist es komplizierter und viel weniger eindeutig. Oder es ist für den Einen eindeutig und jemand Anderes versteht es völlig anders.

Wenn wir also die Frage stellen, wieso trainieren wir eine Kampfkunst genau so, dann sollten wir hier auch tatsächlich ein bisschen Gehirnschmalz investieren!

Hier ein paar Beispiele, die weniger gut gelungen sind.

  • Wir trainieren schon immer so!
  • Das ist traditionell!
  • Kann man das auch anders trainieren?

Was ist die Trainingswahrheit?

Wie oben schon beschrieben, ist die Wahrheit nicht eindeutig. Besonders in der Kampfkunst ist die Wahrheit äußerst subjektiv. Sie hängt vom Lehrer und vom Schüler in gleicher Weise ab.

Wie könnten Wahrheiten in der Kampfkunst aussehen?

  • Ich möchte mich besser kennenlernen.
  • Ich will lernen mich zu verteidigen.
  • Gesundheit und Beweglichkeit sind mein Ziel.
  • Ich möchte vom Alltag abschalten.
  • Ich will mich mit Anderen messen und Pokale gewinnen.
  • Ich möchte eine andere Kultur kennenlernen.

Ein paar Trainingsbeispiele: Wieso tust Du das?

#1 Ein ausgiebiges Begrüßungsritual

Das ist traditionell, es gehört einfach zur Kampfkunst dazu! MÖÖÖÖP, schlechte Antwort! Nur weil etwas „traditionell“ ist, hat es nicht gleich eine umfassende Daseinsberechtigung. Gerade weil es traditionell genannt wird, sollte dahinter auch ein tieferer Sinne stecken. Wieso sonst hat es die Zeit überdauert und wird von uns als traditionell bezeichnet?

Wieso könnten wir ein ausgiebiges Begrüßungsritual brauchen? Brauchen alle Kampfkünstler so ein Ritual? Muss es eine bestimmte länge haben um wirksam zu sein? 5 Minuten, 10 Minuten, 15 Minuten?

Die Intention bestimmt den Zweck. Was möchten wir mit diesem Ritual erreichen? Das ist die eigentliche Frage. Wir machen nichts, um es einfach zu machen, sondern weil wir einen Sinn und Zweck damit verfolgen. Und je nach Sinn, Zweck und Wichtigkeit gestaltet sich die Intensität des Rituals.

Hier ein paar Beispiele für die Sinnhaftigkeit eines Begrüßungsrituals:

  • Einstimmen auf die bevorstehende Stunde und ablegen der Altlasten aus dem Alltag.
  • Dankbarkeit für die Gruppe empfinden mit der man Zeit verbringen darf.
  • Respekt und Freude gegenüber dem Lehrer empfinden weil er sich die Zeit nimmt, zu unterrichten.
  • Sich einem möglichen Verhaltenskodex (Dojo Kun) erinnern und ihn verinnerlichen.

#2 Meditation

Stell dir auch hier wieder die Frage, wieso tust Du das? Bedien dich hier nicht wieder irgendeiner Floskel von wegen es sei traditionell oder immer schon so. Suche nach einem persönlichen wahrhaftigen Grund.

Mögliche Gründe für die Meditation:

  • Irgendwann Erleuchtung erlangen.
  • Vom Alltag abschalten.
  • Sich nur mal auf sich konzentrieren.
  • Ruhe empfinden.
  • Die Gemeinschaft genießen.

#3 1000 Bahnen Kihon stark laufen

  • Fitnesstraining
  • Stressresistenz trainieren
  • Pulskontrolle
  • Kräfte einteilen
  • Techniktraining? Wohl eher nicht! Wer trainiert Techniken und Feinheiten bei einem Puls von 180.

Im Weiteren habe ich noch ein paar Trainingsbeispiele. Überleg Dir einfach mal selbst, wieso man dies trainiert und schreibe es in einem Kommentar.

#4 Kata laufen

#5 Wettkampfbasiertes Kumite

#6 SV-basiertes Kumite

#7 Krafttraining

#8 Dojo putzen

#9 Verbeugen vor dem Partner

#10 Gürtelprüfungen

Wieso sollten wir Gedanken an das Warum verschwenden?

Es ist doch so schön einfach. Wir gehen ins Training, lassen uns mit Inhalten berieseln, gehen wieder nach Hause und sind Meister einer Kampfkunst. In einer Welt, wo eine Kampfkunst eindeutig definiert wäre, wo nur ein Karate (Judo, Aikido, JuJutsu…) existiert, würde diese Vorgehensweise sicher zutreffen. Leider ist dem nicht so.

Das Warum definiert unsere Kampfkunst. Das Warum definiert unsere Meisterschaft. Daher ist das Warum keine Verschwendung, sondern notwendige Bedingung für Deine wahre Kampfkunst.

Ohne das Warum ist deine Kampfkunst, wie „die Flasche leer„. Bloße Form, nur Schein.

/Respekt

By |2017-11-12T15:00:20+00:00März 28th, 2018|1 Comment

One Comment

  1. […] Auch ich habe hierzu schon einmal einen Artikel verfasst. Stell dir immer die Frage, warum tue ich das!? […]

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