Gedanken zu Minimalismus und Kampfkunst

Bevor ich Dich jetzt enttäusche, ich verstehe mich nicht als Minimalist. Ich weiß nicht einmal, ob ich Minimalismus gut finde. Aber irgendwie bin ich doch Minimalist und es gehört zu meiner Kampfkunst. Auch finde ich es gut, es zu praktizieren. Puuuh, verwirrend!

Minimalismus

Eigentlich bin ich kein Freund von Wikipedia als Quelle aber hier hat einer mal ordentlich formuliert. Dieser Satz drückt für mich recht gut den Begriff Minimalismus aus. Naja, beinahe gut!

Das Einfache Leben (Minimalismus) stellt kein einheitliches Lebensschema dar, sondern führt zu äußerst unterschiedlichen, sehr individuellen Ausprägungen. Die Spanne reicht vom „Total-Aussteiger“ bis zum lediglich konsumkritischen „Normalverbraucher“. Kennzeichnend ist stets eine erhöhte Achtsamkeit und die genauere Beobachtung des eigenen (Konsum)-Verhaltens.

Kein einheitliches Lebensschema mit individuellen Ausprägungen. Klasse! Jeder ist individuell und muss seinen Weg finden. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie weit er dieses „Spiel“ treiben möchte. Auch schwingt in dieser Definition keine Bewertung mit.

Wie? Du bist nur Minimalist der Stufe 3. Ich bin Minimalist der Stufe 10, zudem Anführer der Minimalismus-Garde und meine besondere Fähigkeit ist „geistiger Minimalismus“. Irgendwann höre ich einfach auf zu denkeeeeen… „sabber“

Sorry für den Quatsch. Du verstehst sicher was ich meine.

Für eine erhöhte Achtsamkeit stehe ich auch noch voll ein. Auch die genauere Beobachtung des  eigenen (Konsum)-Verhaltens ist nichts Schlechtes. Tolle Definition!

Halt! Wieso dann nur beinahe gut?

Das Dojo

Das Dojo ist der Raum, der für das Praktizieren der Kampfkünste genutzt wird. Dabei ist er mehr als ein einfacher Trainingsraum oder eine Turnhalle. Sie dienen der rein körperlichen Ertüchtigung. Ein Dojo hingegen hat einen etwas anderen Anspruch.

Dies lässt sich schon in der Ausstattung erkennen. Während große Sporthallen vielen Freizeit- und Leistungssportlern, aller möglichen Ball-, Geräte- und Individualsportarten, ein zu Hause bieten. Beschränkt sich das Dojo auf einen kleinen Teilnehmerkreis, der sich den Kampfkünsten verschrieben hat.

Der Boden von Sporthallen ist meist übersät mit unterschiedlichsten Markierungen für verschiedene Disziplinen. Das Dojo besitzt im Idealfall einen echten Holzfußboden und/oder ist mit Tatami-Matten ausgelegt.

Auch dominieren in der Turnhalle sportartspezifische Besonderheiten, wie Körbe, Tore, Netze, Seile, Kletterwände, usw. und technisches Equipment zur Durchführung von Schulsport oder öffentlichen Wettkampfveranstaltungen (große Uhren, Geräteräume, Tribünen, sinkende Trennwände). Ein wahres Dojo kann hingegen auf das Alles verzichten. Es ist eher spartanisch-schlicht eingerichtet und widmet sich ganz der Kampfkunst.

Die Aufteilung einer großen Turnhalle hat mich als Kind schon regelrecht verwirrt. Es müssen schließlich viele Sportarten neben-, über, und durcheinander dargestellt werden. Ein Dojo ist eindeutig.

Seine besondere Architektur in der die Raumseiten jeweils einer Himmelsrichtung sowie jeweils den Besuchern, den Schülern, den Meisterschülern und schlielich die Ehrenseite dem Lehrer gewidmet ist und so offentkundig den Weg vom Laien zum Meister als einen Kreis beschreibt sowie durch sein besonderes asiatisches Ambiente strahlt dann spürbar die Atmosphäre eines Dojo aus, was zum Lernen und Lehren der Kampfküsnte so wichtg ist: Ruhe, Stille, eine gewisse Erhabenheit, die Wertschätzung der kleinsten Dinge, Orientierung auf das Wesentliche.

All dies dient nur einen Zweck: Der Gewinnung von Selbsterfahrung, Selbstbewusstsein und Selbsterkenntnis.

Diesem geistigen Anspruch wird im Dojo ein eigener Platz eingeräumt. Bekannt als Kamiza (Sitz der Götter) oder Shomen (Stirnseite) symbolisiert sie die typische Hauptseite jedes Dojo. Hier wird den höheren eigentlichen Zielen gehuldigt, auf die alles im Budo ausgerichtet ist. Dargestellt durch einen kleinen Altar.

Echt jetzt?! Wieso nur beinahe gut?

Der kleine Exkurs musste sein. Am Beispiel des Dojo lässt sich wunderbar sehen, wieso Minimalismus etwas Gutes ist. Wieso ich mich auch jedes Mal wieder auf das Training freue.

  • Du wirst nicht Minimalist weil du der Konsumgesellschaft einen Strich durch die Rechnung machen möchtest. HAHA, ich kaufe nichts mehr, seht wo ihr bleibt. Wen juckt´s!
  • Du wirst nicht Minimalist um dich gegen jemanden zu stellen, dich abzugrenzen, ein politisches Statement abzugeben. Ich liebe schnelle Autos aber um es dir zu zeigen, mich von dir zu distanzieren, kaufe ich mir keines! Aha?
  • Du wirst nicht Minimalist weil es cool ist. Du bist ja sooo cool!

Klar kannst du auch deswegen Minimalist werden aber muss man sich denn so einschränken, nur wegen einer Außenwirkung? Die Wikipedia Definition setzt den Fokus sehr stark auf diese Außenwirkung oder auch Auseinandersetzung mit der Umwelt. Sollte nicht mehr dahinterstecken? Darum nur beinahe gut.

Mir fehlt die Innenorientierung. Sie sollte den Hauptaugenmerk des Minimalismus darstellen. Wieso sehe ich mich als Minimalist? Was bringt mir der Minimalismus für mein Leben? Wenn sich keiner mehr für Minimalismus interessiert, kann ich dann immer noch von mir behaupten ich bin Minimalist?

Minimalismus um des Minimalismus Willen, Minimalismus um der Außenwirkung Willen wird immer in eine Sackgasse führen.

Betrachte Deinen Minimalismus als Dein Dojo. Alles in Deinem Dojo ist auf einen Zweck ausgerichtet. In einem Kampfkunst Dojo ist es das Erlernen der Kampfkunst, in deinem Leben ist es vielleicht die Verwirklichung Deines Lebenstraums.

Ich habe mir selbst ein paar Gedanken um eine für mich bessere Definition von Minimalismus.

Minimalismus ist eine Lebensführung, die die weltlichen und geistigen Güter auf das Wesentliche reduziert um eine persönliche Zielsetzung fokussiert und mit minimaler Ablenkung zu verfolgen.

Eine Frage hätte ich noch an Dich. Glaubst Du, ein Mensch mit viel Besitz kann Minimalist sein?

/Respekt

By | 2017-11-12T14:56:26+00:00 März 21st, 2018|0 Comments

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