Der wahre Ausdruck von Respekt (Rei)

Lass uns einen tieferen Sinn in der Verbeugung suchen. Nein quatsch, lass uns nach der Bedeutung von Respekt in der Kampfkunst suchen.

Wir verbeugen uns beim Eintritt ins Dojo. Viele haben ein ausgeprägtes Begrüßungsritual, Verbeugung vor Shomen, Sensei, Karateka. Auch verbeugen wir uns vor und nach der Kata. Das Abgrüßen und Verlassen des Dojos wird auch mit Verbeugungen beendet. Hast du dir schon mal darüber Gedanken gemacht, dass dies einen tieferen Sinn haben könnte? Vielleicht hat es das, aber ich glaube, dass die ganzen Verbeugungen ein Überbleibsel der Militarisuerung des Karate sind.

Jedoch glaube ich auch, dass Respekt ein Kernkonzept der Kampfkunst darstellt.

In dem Buch Karate-do: „Die Kunst, ohne Waffen zu siegen“  beschreibt Gichin Funakoshi „Rei“ mit Respekt. Darüber hinaus beinhaltet Rei sowohl die Achtung vor Anderen als auch die Achtung vor sich selbst.

Ohne Rei herrscht Chaos und der Unterschied zwischen Menschen und Tieren liegt in Rei.  So sind Kampfkünste ohne Rei an und für sich keine Kampfkünste, sondern bloßer Ausdruck verachtenswerter Gewalt.

Wusstest du das Rei eine äußere und eine innere Form besitzt? Die äußere Form spiegelt sich im direkten Verhalten der Menschen.  Die innere Form beinhaltet die aufrichtige und ehrerbietende Grundeinstellung des Menschen. Nur wenn beide Komponenten erfüllt sind, kann man von wahrem Rei sprechen.

Wahres Rei ist der äußere Ausdruck eines respektvollen Herzens.

Du wirst dich vielleicht schon einmal gefragt haben, worin dieser Respekt begründet ist. Meinem Verständnis nach drückt sich dieser Respekt auf dreierlei Weise aus:

#1 Der Respekt vor dem Leben und dem Ideal selbst

Jedes Leben ist ein Wunder. Ein Leben zu erschaffen und zu erhalten braucht viel Zeit, Energie und Durchhaltevermögen. Dagegen ist es äußerst leicht ein Leben zu zerstören. Auch in den Kampfkünsten geht es primär darum Leben zu erhalten: Sein eigens Leben, das der Familie und Freunde, und der Natur. Übergreifend wird dieser Respekt durch das große Ideal des Budo verkörpert. Eine Leitlinie für das Ideal bildet die Dojo Kun.

#2 Respekt vor Durchhaltevermögen und gewonnener Weisheit

Um einen Meistergrad in jeglicher Kampfkunst zu erlangen, braucht es viel Zeit und Durchhaltevermögen. Auf dem langen Weg des unermüdlichen Trainings gelangt der Schüler zu immer mehr körperlicher und geistiger Reife. Diese Reife manifestiert sich alsbald in der Erkenntnis, dass der Weg zur Meisterschaft ein endloser ist. Ein eigentliches Ziel existiert nicht und doch geht der wahre Meister weiter. Er strebt immerzu dem großen Ideal des Budo entgegen.

#3 Respekt vor Mut und Zuversicht

Jeder Meister war einmal Schüler und wird wieder Schüler sein. Sich auf den endlosen Weg der Meisterschaft zu begeben, verlangt Mut und große Zuversicht. Mut deshalb, weil der Weg viele Strapazen und Steine bereithält. Zuversicht, den Weg ohne zu beirren zu bestreiten. Keine einfache Aufgabe!

Aus diesen Gründen sollte der Schwarzgurt den Weißgurt respektieren, der Weißgurt den Schwarzgurt respektieren und beide die Vielfalt und die Schönheit der Schöpfung respektieren und dem Ideal folgen.

Wahres Rei ist somit Ausdruck des Respekts vor der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Dem Schüler, der in der Vergangenheit begonnen hat, über den Praktizierenden, der in der Gegenwart trainiert und dem Meister in der Zukunft, der sich weiter auf den endlosen Weg der Meisterschaft begibt.

Dieser Respekt bezieht sich nicht ausschließlich auf Budo-Praktizierende. Rei ist allumfassend. Er beinhaltet den Respekt vor anderen Kampfkünsten, vor Nicht-Kampfkünstlern, sowie der Natur.

Auch ist Rei nicht nur auf das Dojo beschränkt, sondern findet sich zu jeder Zeit und jeder Orts wieder.

Das hört sich umheimlich anstrengend an aber ist leicht zu erklären und zu verstehen.

Bei jeder Kampf Kunst handelt es sich um einen Lebensweg, somit ist das Training außerhalb der Trainingsstätte nicht vorbei. Alle Kampfkünste beginnen und enden mit Rei. So lass uns unser Leben mit Respekt beginnen, führen und enden. Wenn du dich also das nächste Mal verbeugst, versuche deine Verbeugung mit diesen Inhalten zu füllen. So wird deine Form lebendig und ausdrucksstark.

Wie stehst du zu Respekt in den Kampfkünsten? Ist es vollkommen dein Ding oder einfach nur überbewertet und übertrieben? Ein bisschen prügeln geht immer?

/Respekt

By | 2017-11-12T14:49:52+00:00 März 14th, 2018|3 Comments

3 Comments

  1. […] Der wahre Ausdruck von Respekt (Rei) geht sogar noch viel, viel tiefer. […]

  2. Philipp 1. Dezember 2016 at 18:12 - Reply

    Hey Basty,
    ich hatte ein gutes Gefühl beim Lesen. Es ist ein schöner Artikel, gut geschrieben und trifft in großen Teilen auch mein Verständnis von „Respekt“. Ich lege jedoch einen ganz besonderen Wert auf die Idee, dass man Respekt nicht verdienen kann. Das wird oft übersehen und weil viele dann versuchen diesen zu verdienen, geht die eigentlich Bedeutung dieses Begriffes verloren und er wird ambivalent verwendet. Das geht jedoch nicht, denn wie auch „Liebe“, ist das ein Begriff, der EINE klare Definition haben sollte. Alles, was davon abweicht, ist dann nicht mehr Liebe, bzw. Respekt und braucht ein eigenes Wort. Es ist (für mich) wichtig dies hervorzuheben, um Verwirrungen zu vermeiden. Das ist mir nochmal deutlich klar geworden, nachdem ich meinen Artikel zu dem Thema veröffentlicht hatte (Link: http://philippsurkov.com/ueber-respekt) und aus den darauf folgenden Diskussionen auf Facebook. Es ist klar, dass es ein wichtiger Begriff ist, aber auch, dass die meisten Leute ein unterschiedliches Verständnis davon haben, Ich bin nicht für „eine einheitliche Kirche“, aber solche Begriffe sollten schon klar definiert werden, damit es keine Fehlinterpretationen gibt.

    • Basty 4. Dezember 2016 at 13:37 - Reply

      Servus Philipp,

      danke für deinen Kommentar. Ich finde deinen Artikel über Respekt echt klasse. Er beleuchtet das Thema nochmal von einer ganz anderen Seite. Respekt als Selbstrespekt zu verstehen, kam mir bis dahin noch garnicht in den Sinn.
      Ich bin auch ein Freund von klaren Definitionen. Sie machen das Leben leichter. Leider wird sich dies für die Kampfkunst im Besonderen vermutlich nie durchsetzen können, aber vielleicht können wir ja zur Verbesserung beitragen 🙂

      LG Basty

Leave A Comment

*

0 Shares
Teilen
+1
Twittern