Was kommt zuerst? Denken oder Tun

Die Tat oder das Tun ist einer der Kerngedanken des Budo. Die Regeln zu kennen, die Kata zu verstehen, bedeutet nichts. Schreite zur Tat und fülle Deine Kampfkunst mit Inhalt.

Eine Kunst ohne eigenes Tun ist inhaltslos und ohne Wert, sei es in der Bewegung oder Deiner inneren Haltung.

Ich habe das Gefühl, dass die westliche Gesellschaft eine sehr verkopfte Gesellschaft ist. Wir bilden uns unheimlich viel auf unsere Gedanken ein. Nicht umsonst ist Wissen Macht und Gedanken wahres Kapital. Die Informationsgesellschaft lebt.

Dies soll nicht als Kritik oder Angriff verstanden werden. Dazu gibt es andere Plattformen im Internet oder sonst wo. Ich möchte hier darauf hinweisen, dass Gedanken nur den einen Schritt darstellen.

Wir haben verlernt oder haben Angst weiter zu gehen.

Wir denken und denken, wägen ab, planen, versuchen und scheitern.

Unser Leben als Münzwurf

Wenn wir die Analogie des Münzwurfs ein bisschen weiterspinnen, dann spiegelt eine Seite unsere Gedanken (Kopf) und die andere Seite unser Tun (Zahl). Leider handelt es sich um eine gezinkte Münze. Sie fällt immer auf Kopf.

Wir denken (Münzwurf: Kopf). Wir planen (Münzwurf: Kopf). Wir tun (Münzwurf: Kopf)!!!

Unsere Gedanken blockieren unser Handeln. Sei es durch positive/negative Gedanken, fremde/eigene Erwartungen, Stolz, Angst usw.

Denke es und Du bist es?!

Einer meiner Trainer sagte einmal: „Denke schnell, dann bist du schnell. Denke schneller und du wirst schneller.“

Es funktioniert!

Doch jetzt kommen wir zu den Problemen dieser Logik.

  1. Wir werden von unseren Gedanken gesteuert. Damit bist Du immer auf Deine Gedanken angewiesen. Schlechter Tag, schlechte Gedanken, schlechte Leistung.
  2. Es heißt zwar immer, die Gedanken seien grenzenlos aber das trifft nur in den seltensten Fällen zu. Wir limitieren und begrenzen uns durch positive/negative Gedanken, fremde/eigene Erwartungen, Stolz, Angst immer selbst.
  3. Es besteht die Möglichkeit, dass wir nie zur Tat schreiten. Wir denken, denken, …, denken.

Ist die Lösung des Problem also, dass wir unsere gezinkte Münze gegen eine normale austauschen?

Wenn Du Dein Leben dem Zufall überlassen möchtest. JA!

Huhn oder Ei / Gedanke oder Handlung

Was war zuerst da? Das Ei oder das Huhn. Der Gedanke oder die Handlung?

Ey, ich hab keine Ahnung. Spielt es denn überhaupt eine Rolle für unser Leben? Es handelt sich hier eher um eine philosophische Frage. Es kommt auf die Auslegung an.

Der traditionelle und auch der moderne Budoka haben sich dafür entschieden der Tat zu folgen. Die Tat kommt vorm Denken.

Also erst sprechen und dann merken, dass es Mist war?

Nicht ganz.

Damit die Handlungen des Budoka ihm und dem Leben dienen, hat sich über den Daoismus ein Gerüst aus Moralvorstellungen entwickelt. Es wird in der Dojo Kun überliefert.

  1. Suche nach Perfektion deines Charakters (das Verhältnis zu sich selbst)
  2. Verteidige die Wege der Wahrheit (das Verhältnis zur Welt)
  3. Pflege den Geist des Strebens (der Wege des rechten Strebens)
  4. Ehre die Prinzipien der Etikette (die Verhaltensetikette)
  5. Verzichte auf Gewalt (das gewaltlose Handeln)

Sie bieten dem wahren Budoka eine Leitlinie, an der er seine Handlungen ausrichten kann. Sein Tun sollte sich immer in diesem Rahmen bewegen. Und da wir alle Perfekt sind, ist das auch kein Problem?!

Schwierig, ne?

Die Gedanken folgen der Tat. Sie dienen als Reflexion unserer Taten. Mit dieser Reflexion nähern wir uns immer weiter dem Ideal einer höheren Moral an.

Sind unsere Gedanken demnach nichts Wert. Dient der Verstand nur der Möglichkeit der Reflexion unseres Handelns? Vermutlich nicht, aber ich habe meine Gedanken mal über ein paar Tage verfolgt. So viel hochkarätige Gedanken waren nicht dabei. Denken, um des Denkens Willen. Ich wäre für ein bisschen Ruhe in meinem Kopf ab und zu auch mal echt dankbar. Keine Chance!

Was ist die Wahrheit: Denken oder Tun?

Jetzt kommt die große Enttäuschung oder der Weg zur Freiheit (es kommt auf Dich an).

Es gibt keine Wahrheit. Es gibt nur Deinen persönlichen Weg. Dein Weg gestaltet sich aus Deinen Gedanken, Deinen Taten, aus Dir eben. Daher wirst Du Dir auch immer Deine Steine in den Weg legen, Deine Rastplätze aussuchen und Deine Aussicht genießen. Es ist Dir überlassen, ob Du mehr Deinen Gedanken gehorchst oder Deine Taten Bände sprechen lässt.

Hier ein kleiner Hinweis: Ein wahrer Budoka „verabscheut“ die Extreme. Er sucht das Gleichgewicht in sich und seiner Umgebung.

Und ein Denkanstoß: Sind Gedanken und Tun zwei unterschiedliche Teile oder eigentlich „EINS“?

/Rei

By |2017-11-12T14:44:27+00:00März 7th, 2018|1 Comment

One Comment

  1. […] möchte ich zu bedenken geben, dass die Kampfkünste Wege der Tat sind. Nur durch reden, philosophieren und diskutieren erreicht man keine Meisterschaft. Der Weg […]

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