Fitnesstraining für Kampfkünstler

Heute möchte ich dir das weltbeste Fitnesstraining für Kampfkünstler vorstellen. Verlass dich auf mich, denn ich bin KK FIT. MÖÖÖÖP – Nicht ganz. Lass dich überraschen.

Es tut mir unglaublich Leid. Ich habe dich unter einem falschen Vorwand hierher gelockt. Fitnesstraining für Kampfkünstler gibt es nicht. Auch Budo-Fitness ist absoluter quatsch. Bevor Du dich jetzt direkt verabschiedest und dir einen neuen Artikel raussuchst, lass mich dir erklären, warum ich Fitnesstraining für Kampfkünstler für Humbug halte.

Fitnesstraining für Kampfkünstler gibt es nicht

Das ist schon eine starke Behauptung oder? Immerhin machen viele Dojo Leiter in ihrer Stunde sehr wohl eine Fitnesseinheit!

Schön und gut aber das ist kein Fitnesstraining für deine Kampfkunst.

Lass uns etwas weiter vorn anfangen. Schauen wir uns die Überschrift genauer an; Fitnesstraining für Kampfkünstler.

Unter Fitness wird im Allgemeinen körperliches und oft auch geistiges Wohlbefinden verstanden. Somit ist das Training der Prozess um dieses Wohlbefinden zu erreichen und/oder zu erhalten. Der Kampfkünstler bist Du. Also könnte man die Überschrift folgendermaßen verstehen.

Fitnesstraining ist der Prozess zur körperlichen und geistigen Gesunderhaltung für DICH!

Also gibt es doch Fitnesstraining für Kampfkünslter?

Nein! Es gibt Fitnesstraining!! Mit Kampfkunst hat dieser Satz bei dieser Interpretation rein gar nichts zu tun. Sonst gäbe es auch Fitness für Bürohengste, für Autofahrer, für Frauen mittleren Alters, für Vogelliebhaber, für Männer mit Glatze und Porsche…

Du siehst, Kampfkünstler sind in diesem Fall nur eine abgrenzbare Gruppe von Menschen mit einer Gemeinsamkeit. Wir fassen also Menschengruppen zusammen und bieten ein stinknormales Fitnessprogramm an.

Das will ich nicht. Nein nein nein, das will ich nicht!!!

Ich möchte ein Fitnesstraining für Kampfkünstler. Oder noch besser, ein Fitnesstraining für die Kampfkunst. Und hier wird es schwierig.

Was ist Kampfkunst?

Das Wort Kunst bezeichnet im weitesten Sinne jede entwickelte Tätigkeit, die auf Wissen, Übung, Wahrnehmung, Vorstellung und Intuition gegründet ist. Im engeren Sinne werden damit Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit benannt, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses, kann aber seit der Moderne auch der Prozess selbst sein. Ausübende der Kunst im engeren Sinne werden Künstler genannt.

Als Kampf wird eine Auseinandersetzung zweier oder mehrerer rivalisierender Parteien bezeichnet, deren Ziel es ist, einen Vorteil zu erreichen oder für das Gegenüber einen Nachteil herbeizuführen.

Diese beiden kleinen Definitionen sind vielleicht etwas grob gewählt aber für meine Argumentation völlig ausreichend.

Wenn Kampf in unserem Fall eine körperliche Auseinandersetzung ist und die Kunst der Prozess oder das Produkt zur Entwicklung von Methoden und Prinzipien dieser Auseinandersetzung zu begegnen, sehe ich keinen Schnittpunkt zu irgendeiner Fitness. Kampfkunst in sich ist die Entwicklung, Erforschung und Übung von Methoden und Prinzipien von körperlicher Auseinandersetzung. Auch existieren in der Kampfkunst keine Anforderungen wie höher, schneller, weiter.

Bevor Du mich mit meiner Argumentation in der Luft zerreißt, erzähle ich dir, was es meiner Meinung tatsächlich gibt! Im Grunde lässt sich der ganze Spaß in zwei Kategorien einteilen!

#1 Fitnesstraining für die grundlegende Gesunderhaltung

Wie in der kurzen Definition oben schon angedeutet, wird Fitness im Allgemeinen als körperliches und oft auch geistiges Wohlbefinden verstanden. Wikipedia geht sogar noch einen Schritt weiter; Fitness drückt das Vermögen aus, im Alltag leistungsfähig zu sein und Belastungen eher standzuhalten.

Puuh, hier wird es schon wieder schwierig. Dieser Zusatz wird ungeheuer spezifisch und individuell. Welcher Alltag ist gemeint? Was bedeutet Leistungsfähigkeit? Welchen Belastungen steht man gegenüber? So viele Fragen und keine genauen Antworten. Jeder muss es für sich selbst entscheiden.

Darum glaube ich, dass diese Definition schon zu weit geht!

Hier kommt wieder meine ganz persönliche Meinung; aufgepasst!

In unserer modernen Zeit definiere ich Fitness oder fit sein als absoluten Nullpunkt. Der Punkt an dem jeder Mensch für sich beschwerdefrei ist. Er ist sozusagen gesund! Stell die vor, Du stehst morgens auf und fühlst dich einfach hervorragend. Nichts zwickt und ziept, einfach alles ist top. Und noch besser, würdest Du einen entspannten Tag ohne besondere Anforderungen an dich verleben, würde dieses Gefühl den ganzen Tag überdauern.

So würde ich Fitness definieren. Es setzt alle Menschen auf einen Punkt fest. 100% Gesundheit!

Somit ist Fitnesstraining der Prozess dorthin oder eben das Erhalten dieses Zustands. Und im Grunde ist es genau das, was die meisten Fitnessstudios, Dojos oder Personal Trainer verkaufen. Halt nur unter einem anderen Namen. Fitnesstraining für Kampfkünslter – WOOOOOSH!

Ach übringens, diese Gedanken sind für das weitere Vorgehen obligatorisch. Ohne diesen Zustand der 100% Gesundheit ist alles weitere absoluter Käse. Es würde dich nur kaputt machen und von deinem Ziel Gesundheit wieder wegführen.

#2 Fitnesstraining für spezifische Anforderungen

Jetzt geht es ans Eingemacht! Wie zuvor erwähnt, macht das Herantasten an diese Thematik nur Sinn, wenn eine grundlegende Gesundheit als Basis vorhanden ist. Wie in der Physik zum Beispiel handelt es sich bei spezifischen Anforderungen um naja eine spezifische Größe. Sie ist dadurch gekenntzeichnet, dass sie in der Regel auf eine bestehende Grundlage bezogen sind.

Aber natürlich ist 100% Gesundheit ein Ideal. Ideale sind dazu da um angestrebt zu werden, aber eine komplette Erreichung ist meistens ausgeschlossen. Aber dennoch ist eine solide gesundheitliche Basis für spezifisches Fitnesstraining wichtig.

Lass mich noch einen kleinen Einschub machen. Ich habe zuvor gesagt, ich definiere Fitness oder fit sein als absoluten Nullpunkt. Dieser Nullpunkt existiert, wenn keine spezifischen Anforderung auf uns zukommen. Wir sind gesund. Jetzt kommen spezifische Anforderungen auf uns zu! Ich möchte zwei Denkansätze mit dir teilen. Einmal einen positiven Ansatz und einen negativen Ansatz. Das Ergebnis ist ein und dasselbe aber die Gedanken verschieden.

  • Positiv: Wir sind zu 100% gesund, jetzt sehen wir uns spezifischen Anforderungen gegenüber und wir absolvieren spezifisches Fitnesstraining. Wir steigern unsere 100% auf 110% weil zu unserer grundlegenden Fitness nun spezifische Fitness addiert wird.
  • Negativ: Wir sind zu 100% gesund, jetzt sehen wir uns spezifischen Anforderungen gegenüber. Diese Anforderungen machen uns krank. Unsere Fitness sinkt von 100% auf 90%. Wir absolvieren spezifisches Fitnesstraining um wieder auf 100% zu kommen.

Vermutlich ist es Ansichtssache, welcher Idee jeder folgen möchte. Derzeit tendiere ich zum negativen Ansatz weil ich glaube, dass mehr wie 100% einfach nicht geht. Aber vielleicht bin ich einfach nur ein wenig pessimistisch. 😉

Was an diesen Gedanken jedoch essentiell ist, über spezifisches Fitnesstraining versetze ich mich in die Lage die Anforderung zu bewältigen. Demnach ist das Fitnesstraining nicht mehr auf meine allgemeine Gesundheit ausgerichtet, sondern auf die spezifische Anforderung.

Lass uns jetzt zu den Anforderungen kommen. Ich habe sie wieder in zwei Kategorien eingeteilt.

#2.1 Für Zielgruppen

Eine Zielgruppe ist ein homogener Zusammenschluss von einzlenen Personen. Homogen bedeutet in diesem Fall, der Zusammenschluss von Menschen weißt große spezifische Gemeinsamkeiten auf. Nehmen wir doch aus Spaß wieder die Kampfkünstler. Hierbei handelt es sich um eine homogene Zielgruppe. Kampfküsntler lieben Kampfkunst, also haben wir eine spezifische Gemeinsamkeit. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Kampfkunst an sich keine spezifischen Anforderungen an den menschlichen Körper stellt. Jeder kann immer und überall Kampfkunst praktizieren 😉

Was wären aber gute Zielgruppen?

Bodybuilder, Kletterer, Büroangestellte, Fahrradkuriere, Bauarbeiter usw.

Achja, und Kampfsportler und Selbstverteidigungsler (ist das überhaupt ein Wort?). Ich meine Menschen, die Selbstverteidigung machen!

#2.2 Für Zielsetzungen

Was ist der Unterschied zwischen einer Zielgruppe und einer Zielsetzung? Eigentlich ist es kein großer Unterschied. Bei der Zielgruppe schaue ich mir die Menschen an und bei der Zielsetzung die Tätigkeit. Zum Beispiel habe ich die Zielgruppe aller Kletterer, die Zielsetzung hierzu wäre Klettern. Am Ende kommt es aber auf´s gleiche raus!

Mit der Kampfkunst wird es hier noch deutlicher. Was wäre die Zielsetzung für Kampfkunst? Wenn Du jetzt an Kämpfen denkst, muss ich dich leider enttäuschen. Schau noch einmal; Kampfkunst in sich ist die Entwicklung, Erforschung und Übung von Methoden und Prinzipien von körperlichen Auseinandersetzungen. Mir dem Kampf an sich hat es zunächst nicht viel zu tun. Rein theoretisch muss ich kein Kämpfer sein um ein Kampfkünstler zu sein, oder? Dazu gleich mehr.

Analog zu oben; Was wären gute Zielsetzungen?

Muskelaufbau, Klettern, gute Körperhaltung, Fahrrad fahren, schwer Heben usw.

Und natürlich kampfsporteln und sich verteidgen.

Was zeigt sich hier? Lass mich zusammenfassen.

  1. Fitnesstraining lässt sich in zwei Kategorien einteilen; Fitnesstraining für die grundlegende Gesunderhaltung und für spezifische Anforderungen.
  2. Fitnesstraining für die grundlegende Gesunderhaltung bezieht sich auf Gesundheit aller Menschen.
  3. Fitnesstraining für spezifische Anforderungen bezieht sich immer auf ein Ziel.
  4. Kampfkunst hat keine eigene Fitnesskomponente.
  5. Durch Fitnesstraining kann ich meine Kampfkunst nicht kampfkunstspezifisch besser machen.
  6. Kampfsport und Kämpfen (bzw. Sebstverteidigung) besitzen eine spezifische Fitnesskomponente!

Mit dieser Zusammenfassung haben wir alles, was wir brauchen um dich für deine spezifischen Anforderungen fit zu machen!

Bevor es richtig losgeht, muss Du dir zunächst die Frage stellen, bist Du grundlegend gesund? Falls nein, ist hier dein erster Ansatzpunkt! Denke an deinen gesundheitlichen Nullpunkt, deine 100%.

Bist du´s, dann erst geht´s weiter.

Stelle dir die Frage, was sind deine spezifischen Anforderungen als Kampfkünstler? Sind sie kampfsportbasierter Art oder sind sie kämpferischer Natur. Oder existieren sie für dich vielleicht gar nicht weil Du Kampfkunst nur als Möglichkeit der Entwicklung, Erforschung und Übung von Methoden und Prinzipien von körperlicher Auseinandersetzung siehst und nie vorhast diese Methoden in der Realität einzusetzen?

Anhand dieser drei Wahlmöglichkeiten kannst Du dein spezifisches Fitnesstraining an deine Kampfkunst anpassen. Suche dir hierzu Fitnessübungen, die genau die Kern deiner Orientierung treffen und unterstützen.

Ein super simples Beispiel sind Liegestütze auf den Knöcheln für kampfbasiertes Fitnesstraining. Abhärtung der Knöchel (Schlagen), Stärkung der Handgelenke (Schlagen), einschleifen einer stabilen Knochenausrichtung (Schlagen), Stärkung der Unterarme (Greifen). Eine kampfsportbasierte Variante wären 10cm Push Liegestütze vom Boden aus. Hierbei wird eine schnelle Mobilisation der Brustmuskulatur trainiert, was zu erhöhter Schlaggeschwindigkeit führt. Äußerst hilfreich für Freikampf-Wettkämpfe. Wiederrum normale Liegestütze würde ich zu Übungen der grundlegenden Gesunderhaltung zählen.

Bei spezifischen Fitnessübungen geht es immer um eine dirkete Unterstützung der spezifischen Anforderungen. Hier muss auch der Fokus liegen. natürlich trainierst Du grundlegende Fitnessanteile immer mit aber deine Konzentration sollt auf den spezischen Anteilen liegen.

Das Hojo Undo wird nicht vergessen!

Da sich dieser Blog derzeit noch verstärkt an Kampfkünstler der asiatischen Richtung orientiert, möchte ich das Hojo Undo auf keinen Fall vergessen. Ich hätte es auch so nicht vergessen aber ich möchte es hier erwähnen.

Man könnte behaupten das Hojo Undo sei eine kampfkunstspezifische Trainingsform. Aus meiner Sicht möchte ich hier widersprechen. Der nachfolgende Link gefällt mir persönlich ganz gut. Es geht hier nicht um Vollständigkeit, mich spricht einfach die Aufmachung und Darstellung an.

Hojo Undo – Unterstützende Übungen – Shu Ha Ri Trainingszentrum

Wie jedoch deutlich wird, ist der Fokus dieser Übungen die Erhöhung der Kampfkraft. Also ist das Hojo Undo kampfbasiertes Fitnesstraining. Nehmen wir beispielsweise das Nigiri-game – Greifvasen oder Krüge. Um das reine Prinzip des Greifens zu entwicklen, zu erforschen und zu üben, benötige ich diese Übungsform nicht. Das Nigiri-gamae möchte diese bereits entwickelte Fähigkeit aus der Kampfkunst nehmen und verstärken. Sie für den Kampf nutzbar und effektiver machen.

Somit würde ich das Hojo Undo zu einem kampfbasierten Fitnesstraining zählen.

Hast Du auch ein paar spezifische Fitnessübungen in petto? Teile sie mit uns.

Bist Du der Meinung ich erzähle Quatsch? Dann bitte versuche mich umzustimmen, ich bin immer offen für neue Sichtweisen. Mir geht es nie darum Recht zu haben, sondern nur ums Lernen 😀

/budo-spezifisches Respekt

By | 2018-01-23T12:14:07+00:00 Januar 23rd, 2018|0 Comments

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