Bist Du grundlegend fit?

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Der Aufschrei ist riesig. Gebt uns kampfkunstspezifisches Krafttraining! Jaaaa, hier. Aber frag dich doch zuerst, bist Du schon soweit?

Alles muss spezifisch sein. Die Kunst soll unterstütz werden. In unserem Drang nach einer immer besseren Kampfkunst, vielleicht auch wegen höher, schneller, weiter.

Keine Ahnung. Jedenfalls höre ich immer wieder; meine Knie tun weh, die Hüfte spielt nicht mit, die Handgelenke schmerzen, die Schulter macht Probleme, meine Wirbelsäule ist gut, solange ich sie nicht bewege.

Lauter Wehwehchen und doch ist das Gebrüll groß. Spezifisch muss es sein.

Lass uns doch heute ein bisschen weiter vorne anfangen. Was wird unter grundlegender Fitness denn verstanden?

Im Allgemeinen bezeichnet man darunter körperliches und oft auch geistiges Wohlbefinden.

Also super allgemein, aber wir kommen der Sache näher!

Fitnesstraining für die grundlegende Gesunderhaltung

Wie in der kurzen Definition oben schon angedeutet, wird Fitness im Allgemeinen als körperliches und oft auch geistiges Wohlbefinden verstanden. Wikipedia geht sogar noch einen Schritt weiter; Fitness drückt das Vermögen aus, im Alltag leistungsfähig zu sein und Belastungen eher standzuhalten.

Puuh, hier wird es schon wieder schwierig. Dieser Zusatz wird ungeheuer spezifisch und individuell. Welcher Alltag ist gemeint? Was bedeutet Leistungsfähigkeit? Welchen Belastungen steht man gegenüber? So viele Fragen und keine genauen Antworten. Jeder muss es für sich selbst entscheiden.

Darum glaube ich, dass diese Definition schon zu weit geht!

Hier kommt wieder meine ganz persönliche Meinung; aufgepasst!

In unserer modernen Zeit definiere ich Fitness oder fit sein als absoluten Nullpunkt. Der Punkt an dem jeder Mensch für sich beschwerdefrei ist. Stell die vor, Du stehst morgens auf und fühlst dich einfach gut. Nichts zwickt und ziept, einfach alles ist top. Und noch besser, würdest Du einen entspannten Tag ohne besondere Anforderungen an dich verleben, würde dieses Gefühl den ganzen Tag überdauern. Du erhebst dich beschwerdefrei aus dem Bett. Deine Schuhe anziehen, ist kein Problem. Die Wasserkästen im Auto sind ruckzuck in der Wohnung. Deine Kids werden beim Spaziergang fliegen gelassen.

Uh, das hat ja doch was mit Alltag zu tun. Anscheinend kann man es doch nicht ganz ohne sehen. 😉

Dir ist sicher klar auf was ich hinaus möchte.

So würde ich Fitness definieren. Es setzt alle Menschen auf einen Punkt fest. 100% Gesundheit! Es läuft halt wie geschmiert.

Somit ist Fitnesstraining der Prozess dorthin oder eben das Erhalten dieses Zustandes.

Was ist allgemeines Wohlbefinden?

Diese Frage pauschal zu beantworten finde ich extrem schwer. Also möchte ich nur aus persönlicher Erfahrung berichten. Vielleicht gibt dir das einen möglichen Einblick in meine Vorstellung von allgemeinem Wohlbefinden.

Ich leide oft unter Kopfschmerzen. Diese habe ich nicht weil mein Kopf doof ist, sondern weil ich irgendwie immer im Schulter- und Nackenbereich verspannt bin. Ich bin Student und ein Bürohengst. In meinem Fall sitze ich viel und beuge mich krumm nach vorne. Dadurch passiert es mir auch, dass meine Brustmuskulatur ein wenig nach vorne zieht und so meine Schulter  ein wenig nach vorne hängen. Das wäre Nummer 1. 

Wäre das Weg würde ich mich wohler befinden! 😉

Nummer 2. Aufgrund der Verspannungen passiert es mir leider viel zu häufig, dass ich bei einer ruckartigen Drehung oder falschen Bewegung ein Stechen im Schulterblatt habe. Danach kannst Du mich für 3-4 Tage vergessen. Rückenschmerzen des Grauens. Nur weil ich mich unüberlegt zu schnell bewegt habe.

Auch wenn das Weg wäre, könnte ich von mir behaupten, ich fühle mich wohler.

Kommen wir zu Nummer 3.

Durch einen Bänderriss im rechten Fuß habe ich lange Zeit eine gewisse Schonhaltung beim Laufen und Stehen eingenommen. Mein Knie und meine Hüfte fanden das nach kurzer Zeit nicht so toll. Manchmal zwickt es immer noch.

Weg damit, dass wäre schön. Und jetzt die Frage an dich.

Wie kommen wir da hin? Etwa mit kampfkunstspezifischem Krafttraining? 

Wohl kaum. Es bereitet schließlich unseren Körper auf die Kampfkunst vor aber nicht auf den Alltag. Aber dieser muss zunächst einmal sitzen. Denn beschwerdefrei den eigenen Alltag zu bestehen, ist die Basis für alles Weitere. Unsere Aktivitäten im Alltag, unsere Hobbys, und besonders unsere Kampfkunst!!!

Aber jetzt habe ich es doch schon gesagt? Hobbys und Kampfkunst sollen doch auch beschwerdefrei ausgeübt werden können!

Hier liegt der Hund begraben. Es geht um beschwerdefreies ausführen. Nicht darum, durch spezifisches Krafttraining in seinem Hobby besser zu werden.

Denn…

Fitnesstraining für spezifische Anforderungen

Jetzt geht es ans Eingemacht! Spezifisch zu trainieren um bessere Leistungen zu erbringen, macht nur Sinn, wenn eine grundlegende Gesundheit als Basis vorhanden ist. Wie in der Physik zum Beispiel, handelt es sich bei spezifischen Anforderungen, um eine spezifische Größe. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass sie in der Regel auf eine bestehende Grundlage bezogen sind.

Aber natürlich ist 100% Gesundheit ein Ideal. Ideale sind dazu da um angestrebt zu werden, aber eine komplette Erreichung ist meistens ausgeschlossen. Aber dennoch ist eine solide gesundheitliche Basis für spezifisches Fitnesstraining wichtig.

Lass mich noch einen kleinen Einschub machen. Ich habe zuvor gesagt, ich definiere Fitness oder fit sein als absoluten Nullpunkt. Dieser Nullpunkt existiert, wenn keine spezifischen Anforderung auf uns zukommen. Wir sind gesund. Jetzt kommen spezifische Anforderungen auf uns zu! Ich will in meinem Hobby besser werden und meinen Körper gezielt darauf vorbereiten.

Ich möchte zwei Denkansätze mit dir teilen. Einmal einen positiven Ansatz und einen negativen Ansatz. Das Ergebnis ist ein und dasselbe aber die Gedanken verschieden.

  • Positiv: Wir sind zu 100% gesund, jetzt sehen wir uns spezifischen Anforderungen gegenüber und wir absolvieren spezifisches Fitnesstraining. Wir steigern unsere 100% auf 110% weil zu unserer grundlegenden Fitness nun spezifische Fitness addiert wird.
  • Negativ: Wir sind zu 100% gesund, jetzt sehen wir uns spezifischen Anforderungen gegenüber. Diese Anforderungen machen uns „krank“. Unsere Fitness sinkt von 100% auf 90%. Wir absolvieren spezifisches Fitnesstraining um wieder auf 100% zu kommen.

Vermutlich ist es Ansichtssache, welcher Idee jeder folgen möchte. Derzeit tendiere ich zum negativen Ansatz weil ich glaube, dass mehr wie 100% einfach nicht geht. Aber vielleicht bin ich einfach nur ein wenig pessimistisch. 😉

Was an diesen Gedanken jedoch essentiell ist, über spezifisches Fitnesstraining versetze ich mich in die Lage die an mich gestellte Anforderung zu bewältigen. Demnach ist das Fitnesstraining nicht mehr auf meine allgemeine Gesundheit ausgerichtet, sondern auf die spezifische Anforderung.

Mein Fazit zu dieser Krux

Viel zu oft erlebe ich, dass Menschen aufgrund der an sie gestellten Anforderungen zu schnell und zu spezifisch trainieren. Dabei steht die Basis noch nicht einmal oder eben nur auf wackligen Füßen.

Nehmen wir als Beispiel die Handgelenke. In der Kampfkunst wird doch viel geschlagen oder? Darum macht es Sinn, daran zu arbeiten immer härter schlagen zu können! An was wird selten gedacht? An stabile Handgelenke… Eher schummeln wir mit Bandagen, wenn sie uns wehtun als einfach in der Basis dort anzusetzen. Denn stabile Handgelenke sind auch für unseren Alltag enorm wichtig.

Oder die Knie. An schlechten Tagen tun mir dir Knie schon nach dem Aufstehen ein bisschen weh. Sie fühlen sich steif an und ich muss mich erstmal Warmlaufen. In der Kampfkunst quäle ich mich in die Stände, schnelle Vorwärtsbewegungen, Richtungswechsel und abruptes Stoppen. Das wird dann auch trainiert. Obwohl sich morgen meine Knie steif anfühlen. Diesen Ansatz sollte man überdenken.

Die Basis muss stimmen! Auf ihr baut alles auf! Wenn die Basis schon geschwächt ist, dann werden spezifische und vermutlich höhere Belastungen dem Körper nich zuträglich sein.

/Respekt

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By | 2017-05-02T10:03:13+00:00 Juli 10th, 2017|Krafttraining|2 Comments

2 Comments

  1. Nils 12. Juli 2017 at 02:28 - Reply

    Sehr guter Beitrag, der Aufmerksamkeit verdient hat! 🙂
    Die Menschen konzentrieren sich wirklich nur zu speziell auf einzelne Bereich anstatt auf ihren gesamten Körper zu achten. Danke nochmal für diesen guten Beitrag 🙂

    • Basty 12. Juli 2017 at 19:55 - Reply

      Danke 😀
      LG Basty

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