Jede Karatetechnik, eine Mikro-Kata

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Ist eine Technik nur eine Technik oder steckt doch etwas mehr dahinter? Lass mich dich in eine andere Betrachtungsweise über Techniken entführen.

Ich kann dir an dieser Stelle nicht versprechen, dass das was folgt wahr ist. Aber vielleicht müssen wir einfach nur fest genug daran glauben! 😉

Vor ein paar Wochen hatte mich eine starke Erkältung ans Bett gefesselt. Mir ging es richtig mies. Kalt und heiß, frieren und schwitzen. Nachts bin ich von der Erkältung gebeutelt aufgewacht. So dachte ich es mir zumindest.

Aber es wahr etwas anderes!

Eine Erkenntnis in meinem Kopf über die Kampfkunst hat mich geweckt. Oder eher eine vielleicht Erkenntnis, ich bin mir schließlich nicht sicher.

Jede Kata im Karate ist ein Bündel von Kampf- und Bewegungsprinzipien auf einer sehr hohen Ebene. Die einzelnen Techniken der Kata sind ebenso Bündel von Prinzipien, nur eben auf einer kleineren Ebene. Und so möchte ich behaupten, Techniken sind Mikro-Kata.

ECHT JETZT? Wie kommst Du denn da drauf?!

Bevor es richtig losgeht, grenze ich das Thema schnell mal ein. Ich möchte mich heute nicht mit allen Techniken beschäftigen, ich suche mir eine Einzelne raus.

Der die das Tsuki!

Tsuki ist die Lehre des Stoßens und ein Zuki ist eine spezifische Form in der Lehre des Stoßens. Ich bevorzuge zwar die Umschreibung Prinzip des Stoßens aber Lehre tut es genauso. Am Ende ist es nur Wortklauberei…

Auf was möchte ich hinaus?

Wir sprechen immer von Schlag- oder Fauststoßtechniken aber die Beschreibung Tsuki oder Zuki enthält kein Wort über irgendeine Faust. Wir assoziieren Stoßen mit Faust, doch ich bin einmal so frei und behaupte, dieser Gedankengang beschränkt unsere Kampfkunst.

Stoßen ist keine Technik, es ist ein Körperbewegungsprinzip.

Lass mich dich in meine Analyse des Prinzips Stoßen „Tsuki“ entführen.

Tsuki oder eine Mikro Kata?

Techniken sind Kata auf der niedrigsten Ebene.

Je nach Interpretation ist Kata eine Art Überlieferungslexikon, ein Kampf gegen viele Gegner oder ein Prinzipiengeflecht für ein sehr komplexes Verteidigungssystem. Ich präferiere Letzteres, weil es mir die größtmögliche Flexibilität in meiner Kampfkunst gibt. Dabei basiert Kata nicht auf Einzeltechniken. Techniken wären ein zu starres Konstrukt. Kata als komplexen System würde so einfach nicht funktionieren.

Ich würde sogar soweit gehen, dass eine einzelne Technik genauso wie eine Kata ein Konstrukt aus Prinzipien darstellt. Somit stellen Techniken Prinzipienkombinationen auf der untersten Ebene dar und überführen diese Prinzipien in Kataprinzipien auf einer höheren Ebene.

Jetzt wird es aber schräg!!!

Lass uns jetzt ein paar Elemente des Stoß-Prinzips oder meinetwegen einer Stoßtechnik auseinandernehmen.

Die Prinzipien des Tsuki

#1 Die greifende Faust (Tuidi)

Der Zuki beinhaltet zwei Fäuste. Beide Fäuste sind geschlossen. Eine geschlossene Faust wird vielerorts als eine greifende Hand verstanden. Das Prinzip kann auch mit Tuidi beschrieben werden. Somit habe ich die Möglichkeit bei einem Zuki mit beiden Händen etwas zu greifen oder ich kann auch nur mit einer Hand greifen oder es ganz sein lassen.

#2 Die Rückzugsbewegung (Hikite)

Die Rückzugsbewegung wird an vielen Stellen unterschiedlich interpretiert. Aufladen eines Konterschlags, Kontrolle des Gegners, Befreien aus einem Griff oder Ziehen des Gegner. Das Ziehen des Gegner stellt dabei schon eine Prinzipienkombination aus Tuidi und Hikite dar.

Dabei ist die Anwendung zunächst eher zweitrangig. Viel wichtiger ist die Körpermechanik der Hikite Bewegung. Die Bewegung wird durch das Körperzentrum eingeleitet und überträgt sich dann nach außen bis in die Hände.

#3 Der stoßende Arm (Zuki)

Das dritte Prinzip ist das des stoßenden Arms. Es wird ein stoßende Bewegung mit dem Arm ausgeführt. Dabei liegt der Fokus nur auf der stoßenden Bewegung, es handelt sich nämlich um ein Körperbewegungsprinzip, welches als Gegenangriff genutzt wird. Der Angriff kann je nach Anwendung unterschiedlich aussehen. Ein Fauststoß, Würgen, Hebeln, Werfen. Es ist alles möglich, jedoch ändert sich die Stoßbewegung nie.

Auch interessant ist, dass eine Stoßbewegung eine Schlagbewegung immer inne hat. Schlagen ist oberflächlich, stoßen dringt in Strukturen ein. Somit kommt vor jedem Stoß ein Schlag.

Doch jetzt kommt das eigentlich Spannende. Aufgrund meiner Ausführungen bezeichne ich eine Tsuki Technik auch als eine Art Mikro-Kata.

Durch die unterschiedlichste Kombinationen der Tsuki Prinzipien haben wir Zugang zu jeder erdenklichen Anwendung. Auch haben wir die Möglichkeit Prinzipien weg zu lassen und nur mit einem kleinen Teil zu arbeiten.

Grenzen gehören der Vergangenheit an!

Freiheit für die Kampfkunst

Wenn ich die Zeit finde, werde ich ein Video online stellen, dass mit diesem Wissen arbeitet. So wird es noch ein bisschen anschaulicher. Bitte verzeih mir, dass ich hierzu momentan nicht die Zeit finde. Jedoch kannst Du in die Kommentare schreiben, ob Du ein Video hilfreich finden würdest. Dann setze ich es auf meiner To Do Liste höher! 😉

Noch etwas zum Nachdenken?!

Stell dir mal vor, wir würden unseren Schülern keine Techniken mehr beibringen, sondern einzelne Prinzipien. Welch eine Freiheit wir hier schaffen könnten. Stell dir weiter vor, deine Schüler würden durch eigene Kombination der Prinzipien die derzeit vorhandenen Techniken selbst entdecken. Somit wären es nicht mehr Karatetechniken, sondern ihre eigenen. Das wäre doch verrückt!

Ich freue mich auf deine Kommentare und Meinungen.

/Respekt

 

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By | 2017-04-25T12:08:42+00:00 April 24th, 2017|Kampfkunst, Karate, Kata|0 Comments

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