Was ist realistisches Training?

Wir (mich im Besonderen eingeschlossen) mosern immer über zu wenig Realität in unserem Training. SV hier, SV da, aber ist ja eh nur Dojo Gehampel. Es geht auch anders! Ich möchte dir hier einen möglichen Ansatz vorstellen.

Ich bin immer auf der Suche nach mehr Realität. Ich lese Zeitung, ich schaue mir Gewaltvideos im Internet an und recherchiere in öffentlichen Polizeiberichten und Statistiken. Immerhin will ich mein Training mit realistischen Angriffen füllen. Meine Kampfkunst soll schließlich für die Straße anwendbar sein! Muss ich dafür nicht auf die Straße?

Es geht auch anders. Bringen wir die Straße doch einfach ins Dojo.

Im Dojo ist kein realistisches Training möglich?

Das ist die allgemeine Auffassung. Im Dojo passiert nichts Reales!

Wir versuchen Straßenangriffe und Überfälle zu simulieren. Meinetwegen ziehen wir absichtlich Straßenkleidung an oder suchen uns eine böse und unheimliche Location.

Im nächsten Schritt verpassen wir dem Angreifer massig Schutzausrüstung, damit wir übelst auf ihn einprügeln können.

Ist das Realität?

Vermutlich nicht, es stellt eher eine Annäherung an eine von uns angenommene Realität auf der Straße dar.

Wir glauben nur, dass dieses Training „ungefähr“ realistisch ist!

Komm auf die Dunkle Seite!

In jedem von uns steckt ein kleiner Sith Lord. Wir haben alle etwas Böses und Gewalttätiges in uns.

Dieses kleine, gemeine Böse ist Realität. Wir müssen keine realistischen Angriffe simulieren, denn die Realität steckt in jedem von uns.

Sei nicht der Trainingspartner, der sich zur Verfügung stellt.

Sei der Täter!

Die Realität besteht dabei nicht in der Verletzung des Partners. Wir müssen nicht 100% hart und voller Wucht schlagen. Dies ist zwar ein weiterer Schritt Richtung Realität aber zu Beginn reicht der Wille. Wenn der Wille da ist, dann ist die Bewegung des Angriffes realistisch. Du stoppst nicht, Du lässt den Angriff nicht stehen, dein Ziel ist der Körper.

Somit bekommen wir automatisch, ohne darüber nachzudenken 3 Dinge!

  1. Bewegung
  2. Wille / Intention
  3. Ziel

Und so kommen wir nach und nach zu mehr Realität. Wenn wir jetzt noch Intensität in den mörderischen Cocktail geben, wird es ein heißes Ding. Doch alles zu seiner Zeit! Es muss nicht immer von Anfang an das volle Programm sein.

Arbeiten wir zunächst an Wille & Intention.

Realität entspringt Intention

Der Macho will Überlegenheit beweisen.

Der betrunkene Jugendliche sich vor seinen Freunden profilieren.

Der Taschendieb möchte ohne erwischt zu werden etwas stehlen.

Der notorisch Aggressive möchte sich Luft machen.

Der Vergewaltiger möchte sein Opfer an einen abgelegenen Ort bringen.

Der Mörder möchte töten.

Usw.

Was ich damit sagen möchte, jeder Täter hat ein Ziel, das er mit seinem Angriff verfolgt. Er greift nicht einfach so an, es passiert nicht einfach mal so nebenbei. Die Ausgestaltung der oben genannten Täterprofile ist hier sehr einfach gehalten, aber das Schöne ist, dir sind keine Grenzen gesetzt.

Die Intentionen machen Realität aus.

Da das Böse in dir drin ist, nimm doch einfach mal die Geisteshaltung eines Machos ein, oder eines Vergewaltigers. Mach dir dein Ziel unter dieser Geisteshaltung klar und setze es um. Denk jedoch dran: Es muss nicht sofort mit 100% Intensität sein! Steiger dich langsam aber immer realistisch. Bewege dich wie ein Täter, greife wie ein Täter an.

Es steckt in dir!

Was musst Du tun, um dein Ziel zu erreichen und genauso wirst Du angreifen.

Ein realistischer Angriff hat keine feste Form. Jeder Angriff hat ein Ziel, die Ausführung ist von Mensch zu Mensch etwas unterschiedlich.

Standardangriffe zu üben ist okay aber es gibt eigentlich keinen Standard. Übe mit einer dunklen Geisteshaltung und jeder Angriff von unterschiedlichen Menschen ist ein wenig anders.

Wir sind die Realität. Du und ich sind real. Nimm dir nicht deine Realität durch irgendwelche Angriffsszenarien oder Hypothesen.

Bleib real!

/Respekt

By | 2017-11-07T13:59:32+00:00 April 17th, 2017|0 Comments

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