Shikina En: Zweitgrößte Residenz des Königs

Hey, ein kleiner Reisebericht aus dem schönen Okinawa. Wieso? Zum einen, weil einige Leser des Blogs mich vor meiner Reise nach Okinawa um einen Reisebericht gebeten haben, zum anderen weil mich mein Lehrer, Hokama Tetsuhiro Hanshi, darum gebeten hat auch ein wenig über geschichtliche und kulturelle Hintergründe zu referieren.

Gesagt, getan!

Auch wenn es nicht wirklich zu einem Reisebericht reicht…….

Obwohl viele historische Sehenswürdigkeiten Okinawas im 2. Weltkrieg zerstört wurden, gibt es heute viele beeindruckende Gebäude, die nach dem Krieg wieder hergestellt wurden.

Das mit Sicherheit beeindruckendste unter ihnen ist Shurijo, das Schloss von Shuri, der Hauptsitz der Könige von Okinawa. Prachtvoll wieder aufgebaut im ursprünglichen Stil ist es eine Touristenattraktion, nicht nur für „Karate“ Touristen. Für mich nicht weniger schön, wenn auch weniger prunkvoll, ist Shikina En, die Sommerresidenz des Königs.

Shikina En, „Schichina-Nu-Udun“ genannt, war die zweitgrößte Residenz des Königs. Errichtet Ende des 18. Jahrhunderts vergnügte sich hier nicht nur der König, sondern auch seine ausländischen Gäste. Der Chef der chinesischen Delegation (Sapposhi) Cho Bunkai und dessen Assistent Li Teigen wurden hierher eingeladen als sie 1800 zur Krönung von König Sho On in Shuri weilten.

Als kreisförmiger Landschaftsgarten angelegt, können auch heute noch die Besucher einen Rundgang durch verschiedene Landschaften um einen künstlich angelegten See herum genießen. Ursprünglich waren die Pflanzen und Bäume so arrangiert, dass man die unterschiedlichen Jahreszeiten zur jeweiligen Blüte bewundern konnte.

Shikina En ist auf knapp 42000 m angelegt worden, ein Haupthaus mit dazu gehörigen Nebengebäuden erstreckt sich auf ca. 640 m. Während des zweiten Weltkriegs wurde es komplett zerstört, und die Wiederaufbauarbeiten begannen 1975.

Im Dezember 2000 wurde Shikina-En zum Weltkulturerbe ernannt.

Und da es wohl doch keinen Artikel in diesem Blog geben darf, der sich nicht wenigstens ein Bisschen mit dem Karate auseinander setzt, hier noch der „Karate-Link“: Bekanntermaßen war Bushi Matsumura Sokon der Leibwächter der letzten drei Könige von Okinawa. Mit Sicherheit war er in Shikina-En tätig, hat hier trainiert und unterrichtet. Bei einer Besichtigung zusammen mit Hokama Sensei im Jahr 2009 zeigte Sensei mir die Schlafgemächer des Königs. Dahinter befand sich direkt eine Schiebetür zu Matsumuras Räumen, damit dieser jederzeit zur Stelle sein konnte.

Kann Geschichte nicht schön sein. 😀

/Ganbatte

By | 2017-11-07T14:03:03+00:00 April 7th, 2017|2 Comments

2 Comments

  1. Manfred Schramm 7. April 2017 at 09:50 - Reply

    Sehr schön. ich war genau auch dort mit Sensei Hokama !

  2. Gunnar 31. Mai 2017 at 10:57 - Reply

    Hallo Andree,

    schöner Artikel. Gerade das Detail mit der Schiebetür zu Matsumuras Räumen. Gibt leider viel zu wenig Berichte von Karateka, die auf Okinawa waren. Andererseits – wer war denn da überhaupt schon?
    Im Park soll es im östlichen Teil ein Ume-Wäldchen geben.
    Die Pflaumenblütenbetrachtung ist ja sogar älter, als die Kirschblütenschau.
    Hatte vor kurzem wegen einem Artikel für meinen Blog dahingehend etwas recherchiert.
    (Lieblingsbaum von Sensei Hiroshi Shirai)

    ki o tsukete kudasai (気をつけて下さいいい)

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