5 Weise und der Elefant

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Eine Geschichte über fünf Männer, die einen Elefanten betatschen aber nicht auf die Idee kommen den gesamten Elefanten zu untersuchen. Wie blöd muss man den sein?

Die nachfolgende Geschichte ist sicherlich schon steinalt. Sie ist mir zum ersten Mal in der Realschule im Religionsunterricht begegnet. Damals handelte es sich nicht um Weisen, sondern um Blinde und in der Geschichte kam ein König vor aber ist ja auch egal.

Jedenfalls tauchte diese kleine Geschichte vor ein paar Tagen wieder bei mir auf. In einem Ratgeber für Studenten für kreatives Selbstcoaching. Es ging dabei um den eigenen Standpunkt. Einen Standpunkt zu haben ist gut aber wir sollten diesen nicht als konstant und unumwerflich ansehen. Viel eher geht es um ein ständig neues Aushandeln und Hinterfragen.

Genug der Worte!

Kommen wir zur Geschichte.

Fünf Weise und der Pinsel-Schlauch-Blatt-Stamm-Schweinofant

Fünf weise Männer begegneten auf einer Nachtwanderung – es war so dunkel, dass man die Hand nicht vor Augen sehen konnte – einem (glücklicherweise friedlichen!) Elefanten. Neugierig und wissensdurstig, wie sie waren, versuchten sofort alle fünf gleichzeitig zu ertasten, um was für ein Ding oder Wesen es sich hier handelte.

„Ich hab’s!“ rief der Erste stolz: „Das ist so etwas Ähnliches wie ein Pinsel!“ Er hatte den Schwanz des Elefanten erwischt.

„Ach Unsinn!“, rief der Zweite. Er stand zufällig neben dem Rüssel: „Mich erinnert das eher an einen Gartenschlauch!“

„Nein, Ihr habt beide unrecht“, fuhr der Dritte dazwischen. Er hatte das Ohr des Elefanten erwischt: „Es fühlt sich ein bisschen an, wie ein großes welkes Blatt!“

„Ja, da hast du recht!“ rief da der Vierte, „Es könnte tatsächlich ein Baum sein, denn ich halte hier den Stamm!“ Er stand neben einem der Beine.

„Was ist nur los mit Euch?!“ rief da der Fünfte. „Das ist doch ganz eindeutig eine Art großes Schwein!“ Er hatte seitlich am Elefantenbauch ein Stück Haut mit einigen Borsten ertastet.

Ich erspare dir die weiteren Details. Denn der Streit spitzte sich zu und wurde immer heftiger. Dabei hat sich dann leider jeder dieser Fünf immer mehr in seine individuelle Sichtweise verrannt. Obwohl ja doch jeder von ihnen, von seinem Standpunkt aus gesehen, Recht hatte! Unglücklicherweise kam keiner der weisen Männer auf die Idee, seine persönliche Perspektive zu verändern und damit seinen Blickwinkel insgesamt zu erweitern. (Quelle: Klenke, K. (2016) Studieren kann man lernen)

Diese Geschichte ist nur eine kleine aber coole Möglichkeit die Blickwinkel-Thematik zu verdeutlichen. Eine weitere und überaus lustige Methode sind Vexierbilder. Ein Vexierbild ist ein mehrdeutiges Bild. Es lässt verschiedene Interpretationsmöglichkeiten zu. Vexierbilder werden auch als „Suchbilder“ oder „Rätselbilder“ bezeichnet. Die Gebrüder Grimm beschreiben in ihrem Wörterbuch das Vexierbild als ein „Bild mit einem in der Zeichnung verborgenen Betrug, Scherz“.

Was möchte ich dir damit sagen?

Im Grunde ist es doch echt eindeutig. Verändere ab und zu deinen Blickwinkel. Du wirst überrascht sein, was Du so alles entdecken kannst.

Ach ja und noch etwas. Lass auch andere Blickwinkel zu. Besonders in der Kampfkunst ist es weit verbreitet auf seinem eigenen oder dem des Meisters zu verharren. Alles andere ist nur Quatsch!

Tu dir selbst einen Gefallen und sei nicht so engstirnig. Akzeptiere und respektiere die Meinung von anderen und versuche für dich aus diesen Blickwinkeln etwas herauszuziehen.

Am Ende hast Du vielleicht die Möglichkeit deinen Kampfkunstelefanten vollständig zusammenzusetzen 😉

/Respekt

 

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By | 2017-03-22T14:03:42+00:00 März 31st, 2017|Geschichten|2 Comments

2 Comments

  1. Rambazamba 31. März 2017 at 07:35 - Reply

    Die Geschichte kenne ich auch schon sehr lange und mag sie prinzipiell auch. Aber eigentlich ist sie eben auch nur die eine Hälfte der Wahrheit, bzw. des Elefanten. Denn – gibt es den Elefant eigentlich? Ist es möglich den gesamten Elefanten zu betasten, sehen, hören etc.? Und wenn nicht, warum nicht? Und woher weiß ich, dass ich vielleicht nur ein Bein habe, oder nicht doch den ganzen Elefanten kenne? Und was, wenn jemand gar nicht am Elefanten rumtastet, sondern am Baum oder am Pfau daneben? Und und und… Viele offene Fragen.
    Denn bei all dem wohlgemeinten „wir machen ja alle irgendwie dasselbe, versuchen uns zu verbessern, viele Wege zum gleichen Ziel etc.“ finde ich, dass es halt doch auch echte Unterschiede und Abstufungen in der Qualität gibt.

    • Basty 31. März 2017 at 16:43 - Reply

      Da hast Du Recht. Jetzt müssen wir nur noch antworten auf deine Fragen finden. Hast Du eine Idee, wie wir das anstellen?

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