Eine Analyse zum geraden Fauststoß

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Thomas Kuclo gibt uns einen Einblick in eine mögliche Analyse des geraden Fauststoßes. Neben einer Beschreibung der Technikausführung wird auch besonderes Augenmerk auf eine korrekte Fauststellung gelegt.

Thomas Kuclo von Shaolin-Kempo-Karate.de

Der Fauststoß oder auch Tsuki ist vermutlich die erste Technik die Neu-Einsteigern in die Kampfkunst gezeigt wird. Natürlich unter Berücksichtigung von zahlreichen Varianten und Stilrichtungen.

Nur um ein paar Beispiele zu nennen: Ausführungen aus einem geschlossenen Stand (Heisoku-Dachi), leicht geöffnetem, schulterbreitem Stand (Heiko-Dachi) oder aus dem „Reiterstand“, dem Kiba-Dachi, sind ebenso anzutreffen wie Ausführungen aus dem Uchi Hachiji Dachi sowie anderen Ständen. Oder es wird einfach geschlagen. Sowas gibt es natürlich auch.  😉 

Im Weiteren möchte ich mit dir eine Form durchgehen, die den meisten bekannt sein wird.

Der folgende Text soll lediglich den geraden Stoß beleuchten, welcher zur Körpermitte des Gegners, dem Solarplexus, gerichtet ist. Der Solarplexus selbst ist ein Geflecht aus mehreren Nervenfasern, welche zwischen den beiden Rippenbögen sowie dem Bauchnabel und dem Brustbein liegen, auch bekannt als Magengrube. Deren Stimulation, beispielsweise durch einen Schlag, verursacht Schwindel, Übelkeit und kann aber auch zur Bewusstlosigkeit führen.

Genug der Einführung, lass uns zum Eingemachten übergehen. Es folgen die Ausführungen von Thomas Kuclo.

Tsuki oder Zuki?

Die unterschiedliche Schreibweise „Tsuki“ oder „Zuki“ kann bei manchen schon für eine leichte Verwirrung sorgen. Tsuki bedeutet stoßen und somit steht es allgemein für die geradlinig stoßenden Armbewegungen, also Fausttechniken. So gehören z.B. die Stöße Oi-Zuki oder der Gyaku-Zuki dem Oberbegriff Tsuki-Waza (Stoß-Technik, Lehre des Stoßens) an. Die Schreibweise mit „Z“, also „Zuki“, wird in Zusammenstellung mit anderen Namen bzw. Angaben verwendet, so wie dem bereits erwähnten Oi-Zuki, dem seitengleichen Fauststoß.

Okay, jetzt ist es aber genug der Einführung!!!

Die Bewegung des Choku-Zuki

Widmen wir uns wieder dem eigentlichen Thema, dem Fauststoß, welcher zu den elementaren Karatetechniken gehört und womöglich dadurch als erstes vermittelt wird. Auf die spezifischen Stände wird nur bei Bedarf eingegangen werden, es sei aber an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Wahl des Standes u.a. von der Distanz zum Gegner abhängig ist. Wird der einfache Fauststoß in einem symmetrischen Stand ohne Vorwärts – bzw. Rückwärtsbewegung ausgeführt, so trägt er die Bezeichnung Choku-Zuki.

Die stoßende Faust beginnt ihre Bewegung oberhalb der Hüfte, nämlich auf der Höhe des Ellenbogens eines locker hängenden Armes. Sicherlich gibt es Stilrichtungen, die eine andere Positionierung der Faust vorschreiben, allerdings tiefer als aus dieser Lage sollte der Fauststoß nicht erfolgen, da sonst der direkte Weg zum Ziel (Solarplexus des Gegners) nicht mehr gegeben ist – die Faust würde eine kreisförmige Bahn und somit einen längeren Weg beschreiben bzw. das Ziel unter einem ungünstigen Winkel treffen wodurch ein großer Kraftverlust entsteht. In der Ausgangsposition ist die Faust geschlossen und der Faustrücken ist bei einem geraden Handgelenk nach unten gerichtet. Die Daumenseite der Faust ist somit außen. Die Beschleunigung der Faust nach vorne wird von vielen Faktoren implementiert: Beine, Hüfte, Rumpf, die zurückziehende Faust (Hikite) und die Atmung. Um ein Ziel möglichst schnell zu treffen, bewegt sich die Faust auf einer Geraden. In der Endposition, also im Ziel Solarplexus des Gegners, ist die Faust im Vergleich zur Ausgangsposition um ca. 180° gedreht. Diese Drehung der Faust, bedingt durch die Kreuzung der Elle und der Speiche, beginnt im letzten Drittel der Stoßbewegung, also unmittelbar vor dem Ziel. Neben der Stabilisierung des Stoßarmes sowie der Einbeziehung weiterer Muskelgruppen, die die Bewegung aus der Zug- in die Schubphase überführen, sind auch weitere Aspekte für die Drehung der Faust zu suchen – und zwar im Gegner selbst. Um eine Technik wirkungsvoll zu nutzen reicht es nicht bis zum Ziel zu schlagen. Sie muss durch das Ziel hindurch. Das bereits in Gedanken zur Selbstverteidigung erwähnte kurz vor dem Ziel anhalten bringt keinen Erfolg, denn das Ziel erfährt keine Kraftübertragung. Die Eindringtiefe der Faust in den gegnerischen Körper ist somit ein Indikator für die Wirkung einer Stoßtechnik.

Das Ziel, hier der Solarplexus, liegt relativ weit im Inneren des Körpers und wird durch den Rippenbogen sowie die darüber liegende Muskulatur geschützt. Damit der Schutzpanzer, also die Rippen, den Fauststoß nicht behindern und ihm die Kraft nicht rauben, passt sich die Faust dem Verlauf der Rippen an und zwar so, dass sie im Zeitpunkt des Kontaktes mit dem gegnerischen Körper unterhalb des Brustbeines eine momentane Lage unter 45° zur Horizontalen annimmt. Somit ist gewährleistet, dass die Wirkung des Stoßes sich voll im Ziel entfalten kann.

Träfe die Faust mit ihren zwei Knöcheln des Zeige- und des Mittelfingers allerdings waagerecht auf die Oberfläche, so ist deutlich zu erkennen, dass der Rippenbogen die Faust am tieferen Eindringen hindert und die Effektivität mindert.

fauststoss

Zusammenfassend kann man feststellen, dass bereits die erste Karateeinheit, die ein Neuling absolviert, nicht nur die Fausttechnik zeigt, sondern beim genaueren Betrachten in die Anatomie des Menschen eintaucht und ebenfalls den ersten Grundstein für die Lehre des Kyusho Jitsu legt.

Danke Thomas für deine Analyse.

PS: Wenn auch Du über InsightBudo.de etwas veröffentlichen möchtest, kannst Du stets gerne mit uns in Kontakt treten. Nur Zusammen können wir das Gesicht der Kampfkunst prägen. 😀

PPS: Basty hatte hierzu auch mal Gedanken in seinem Tagebuch geäußert.

 

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By | 2017-03-23T10:09:23+00:00 März 23rd, 2017|Karate, Prinzipien|1 Comment

One Comment

  1. Klaus-Thomas Hildesheim 27. September 2016 at 15:51 - Reply

    Danke Thomas Kuclo für diese sehr überzeugenden Gedanken! Ich hatte bisher immer eine ebenfalls anatomische Begründung ins Feld geführt, warum ich meine Faust am Ende des Schlages nicht vollständig in die Waagerechte drehe. Wenn man sich hierbei einmal genau beobachtet (und zwar bitte jeder nur sich selbst, da jeder eine etwas unterschiedliche Anatomie aufweist), so stelle ich bei mir fest, dass ich unweigerlich die Schultern leicht anhebe und dadurch ebenfalls sehr viel Kraft verloren geht. Lasse ich die Faust dagegen 40 bis 30 ° gedreht, bleibt die Schulter unten und in Ruhe und die Schlagwirkung kann sich ungehindert voll entfalten. Kann ja jeder mal an einem Dummy oder Sandsack selbst ausprobieren.

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