Neuromuskulärer Zusammenhang zwischen Adrenalin und Hyperreflexie

TCM oder moderne westliche Medizin? Welchen Zugang sollten wir für unser Kyusho nutzen? Eigentlich ist es egal. Heute rücken wir einem Thema eher westlich zu Rande!

Kyusho kommt immer mehr und mehr in der heutigen deutschen Kampfkunstszene an. Die Untersuchungen zum Thema sind vielfältig und weitaus rationaler als so mancher glauben wird. Natürlich lässt sich Kyusho energetisch aus der TCM herleiten und untersuchen, aber genauso existiert auch ein eher westlich geprägter Zugang. Dieser Zugang ist weder besser, noch richtiger. Es geht nur um die andere Seite derselben Medaille.

Entweder gibt uns ein westlich geprägter Zugang neue Einsichten oder er hilft Skeptikern Kyusho trotzdem etwas abzugewinnen, ohne ständig über das energetische Wirrwarr die Augen rollen zu müssen.

Meine Recherche befindet sich noch sehr am Anfang, trotzdem möchte ich einen Teil meiner bisherigen Ergebnisse und Gedanken mit dir teilen. Vielleicht finden wir unter den vielen Lesern ein paar Experten über die Physiologie des Kyusho.

Jeder kennt mittlerweile Vitalpunkte…

Bevor ich mit dir in das Thema einsteige, möchte ich dir noch einmal die Tragweite der Vitalpunkte vor Augen führen. Es ist so verrückt. Als ich mit Kyusho begann, hieß es, das ist früher voll die geheime Kunst gewesen! Pssst, top secret und unter Verschluss.

Vielleicht war das auch mal so, aber nichtsdestotrotz hat sich irgendwie jede Kampfkunst Kultur mit diesem Wissen beschäftigt. Anscheinend kam nicht nur einer hinter die Geheimnisse der Vitalpunkte.

Schau her: Im Karate wird es üblicherweise Kyusho-Jutsu genannt [急所術]  oder Tsubo-te [壺手] („chibudi“ [チブディ] in Uchinaguchi). Andere Begriffe schließen Tenketsu [ 點穴] („Dian Xue“ in Mandarin oder „Dim Yut“ in Kantonesisch) und Tenmyaku [點脈] (“Dian Mai” in Mandarin oder “Dim Mak” in Kantonesisch) ein.

Naja, ist ja auch egal.

Lass uns lieber zusammen nach neurophysiologischen Erklärungen für die Effekte von Kyusho suchen.

Heute der…

Neuromuskuläre Zusammenhang zwischen Adrenalin und Hyperreflexie

Hast Du das auch schon einmal gehört? Vitalpunkte sind auf der Straße nicht nützlich! Erstens sind sie viel zu klein und außerdem soll Andrenalin die Effekte von Vitalpunkten mindern. Kennt man ja. Adrenalin dämpft das Schmerzempfinden oder das Bewusstsein für Verletzungen.

Du musst nur mal mit einem Menschen reden, der sich unter Adrenalin einmal verletzt hatte. Soldaten zum Beispiel können einen Haufen solcher Geschichten liefern. Unter Adrenalin realisieren die Meisten erst dann eine Verletzung, wenn das hohe Niveau des Adrenalins in ihrem Blut wesentlich abgenommen hat.

Diese Geschichten sind wahr und ich kann dir sogar ein paar wenige Beispiele von mir selbst geben.

Aber, eine kritische Tatsache wird häufig in diesen Berichten ignoriert! Adrenalin hat die Verletzung in jedem Fall nicht vermindert, es hat nur das Bewusstsein für die Verletzung vermindert.

Als ich ungefähr 16 Jahre als war, geriet ich in einen Streit. Es ging damals um mein Handy und jemand wollte es mir wegnehmen. Das wollte ich natürlich nicht zulassen, so kassierte ich schnell 3-4 Schläge ins Gesicht. Ich habe sie nicht gespürt und nur sehr dumpf wahrgenommen. Nachdem ich mein Handy erfolgreich verteidigt habe. Eigentlich habe ich gar nichts gemacht. Ich habe die Schläge eingesteckt und nur dämlich gegrinst, glaube ich. Am nächsten Tag merkte ich neben einem blauen Auge und einer geprellten Nase, dass mir echt das ganze Gesicht weh tat!

Nehmen wir noch ein weiteres Beispiel. Dieses Mal sogar ohne Prügelei.

Ich war ca. 15 als ich in einem Fußballspiel stark umknickte. Ich habe einen leichten Schmerz verspürt, wirklich aushaltbar! Aber ich konnte nicht mehr laufen. Beim Arzt stellte sich heraus, dass ich mir einen Bänderriss zugezogen hatte.

Das Adrenalin hatte mich für die Verletzung unempfindlich gemacht. Es hat die Verletzung nicht verhindert oder meinen Körper von Reflexreaktionen abgehalten. Das bedeutet praktisch gesehen, dass „Schmerz-Nachgiebigkeit“ unter dem Einfluss von Adrenalin wenig nützlich ist.

Adrenalin mindert das Schmerzempfinden aber verhindert nicht die Verletzung an sich!

Menschen, welche Kyusho oder Tuidi nicht verstehen, deuten diesen Sachverhalt oft, dass Vitalpunkte oder Gelenkhebel nutzlos sind (oder eben weniger nützlich). Aber, was diese Leute nicht sehen, ist dass Kyusho und Tuidi nicht allein darauf abzielen Schmerzen zu verursachen. Kyusho und Tuidi Techniken möchten Verletzungen, Disfunktionalitäten oder Reflexreaktionen bewirken, welche für den Verteidiger als einen deutlichen Vorteil ausgenutzt werden können.

Obwohl Schmerz ein häufiges Resultat dieser Techniken darstellt, ist es nicht der eigentlich Zweck dieser Techniken. Schmerz ist bloß ein Nebeneffekt. Demnach ist der ganze Sachverhalt der Schmerz-Nachgibiegkeit unter dem Einfluss von Adrenalin vollständig irrelevant.

Leute behaupten manchmal, dass Adrenalin ebenso Reflexreaktionen trüben. Aber wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dies entspricht definitiv nicht der Wahrheit. Tatsächlich führt Adrenalin zu einer Verstärkung von Reflexen. 

Dieser Zustand von verstärkten Reflexen wird Hyperreflexie genannt, und Adrenalin ist bei weitem der häufigste Grund dieses Zustands. 

Adrenalin verstärkt den  Dehnungsreflex, Rückzugreflex und einen autogenen Hemmungsreflex. Anders ausgedrückt, macht Adrenalin das grundsätzliche Niveau von Kyusho noch wirkungsvoller.

In Anbetracht der Effekte des Adrenalins auf den Blutdruck, könnte man annehmen, dass es Knock Out im Zusammenhang mit Blutdruck (vasovagale Synkope) weniger wahrscheinlich macht. Wissenschaftliche Studien, wie Effect of adrenaline on vagus nerve Reflexes von Masaki, Furukawa, Watanabe, & Ishikawa fanden heraus, Adrenalin schwächt Blutdruck-senkende Effekte der Vagusstimulation in vielen Teilen des Körpers, aber es verstärkt die plötzliche Abnahme des Gehirnblutflusses.

Adrenalin verstärkt die Abnahme des Gehirnblutflusses!

In anderen Worten, Adrenalin macht Blutdruck KOs wahrscheinlicher.

Schläge, welche den Vagusnerv stimulieren, die drei Hauptzweige des Trigeminusnerv, oder Barorezeptoren im Nacken- oder Brustbereich, werden mit größerer Wahrscheinlichkeit Bewusstlosigkeit verursachen, wenn der Angreifer ein hohes Adrenalin-Niveau hat.

So bis hierhin mal meine Ausführungen. Da ich kein Mediziner bin, sind alle Informationen natürlich mit Vorsicht zu genießen. Sie unterliegen meiner persönlichen Recherche und Interpretationen.

Aber trotzdem hoffe ich, dass etwas Nützliches für dich dabei war 😉

Mein Ziel war es mir diesem Artikel Kyusho für eine mehr westliche Denkungsart interessanter zu machen. Kyusho aus der traditionallen chinesischen Medizin (TCM) herzuleiten, ist das Eine. Es hat seine Berechtigung, nur müssen wir uns auch die andere Seite der Medaille genau anschauen und versuchen sie zu verstehen!

/Respekt

 

By | 2017-11-07T14:17:46+00:00 März 1st, 2017|0 Comments

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