Ude Kitae – Der hölzerne Mann

Der hölzerne Mann, eine Übungspuppe aus Holz, ist ein Trainingsgerät, welches in unseren Breitengraden hauptsächlich mit dem Wing Chun (Wing Tsun) in Verbindung gebracht wird.

Abgesehen von der Tatsache, dass der Mook Jong (oder auch Muk Yang Jong) auch in vielen anderen Kung Fu Stilen Verwendung findet, ist sein „Bruder“, das Ude Kitae, auch in den Dojos in Okinawa zu Hause.

Das Ude Kitae ist ein Trainingsgerät, welches vornehmlich zur Abhärtung der Gliedmaßen Verwendung findet. Anders als sein chinesisches Gegenstück verfügt das Ude Kitae in der Regel weder über Arme noch Beine, sondern ist zumeist ein Holzstamm, der zu Trainingszwecken im Boden verankert wird. Manche Varianten verfügen über eine Umwicklung aus Seilen oder einer leichten Polsterung aus Stroh, ähnlich dem Makiwara. Jedoch gibt es auch hier Ausnahmen, und so kann man auch „echte“ Holzpuppen in den Dojos finden, welche über einen oder mehrere Arme verfügen, und teilweise interessante Übungsmöglichkeiten bieten.

Zeichnung von alten Trainingsgeräten aus dem Karate und Kobudo Museum von Hokama Tetsuhiro Sensei in Nishihara, Okinawa.

Man beachte die Trainingsgeräte ganz oben, welches ein Kakite Bikei, ein Trainingsgerät mit einem beschwerten Arm, darstellt. In der zweiten Reihe ist rechts ein Ude Kitae mit Armen zu sehen, welches dem Mook Jong nicht unähnlich ist.

Ude Kitae

Sehen wir uns die Kanji (Schriftzeichen) für Ude Kitae an, so erschließt sich der Name wie folgt:

腕         Ude                       Arm

鍛え     Kitae                     schmieden, härten

Ude Kitae könnte also einfach mit „Arm abhärten“ übersetzt werden, was schon auf den primären Trainingszweck dieser Gerätschaft hinweist. Wie so oft, wurden die diffizilen chinesischen Prinzipien in Okinawa dahingehend verändert, dass man sich auf das Wesentliche konzentrierte. Die fließenden und oftmals geschmeidigen Bewegungen, die wir heute oft noch in diversen Kung Fu Stilen an der Holzpuppe finden, sind in vielen okinawanischen Stilen verloren gegangen.

In vielen, aber sicher nicht in allen!

Einige Dojos haben sich den typisch chinesischen Fluss erhalten, und die Übungen an den Ude Kitae sind denen des Wing Chun nicht unähnlich. Veränderungen sind vor allem in der Ausführung der Techniken erkennbar, da man vorwiegend Techniken mit der geschlossenen Hand bevorzugt. Aber auch Techniken mit der offenen Hand, besonders mit den Handflächen werden geübt.

Neben dem klassischen Abhärtungstraining bietet das Ude Kitae die Möglichkeit, Techniken miteinander zu verketten, sodass Abwehr- und Kontertechniken zu einer Bewegung verschmelzen.

Aber auch das Stellungsspiel kann vom Training an der Holzpuppe profitieren. Gerade für uns Karate Ka ist es interessant zu sehen, welche Fußstellungen besonders in der engen Distanz, die der hölzerne Mann uns auferlegt, passen und funktionieren. Schnell wird man feststellen, dass die im Naha Te bevorzugten Stellungen wie Neko Ashi, Sanchin Dachi aber auch ein Shiko Dachi die Stellungen der „ersten Wahl“ werden.

Nehmen wir uns zum Beispiel diese Stellungsroutine. Versuche sie doch einmal am Udo Kitae.- 😉

/Ganbatte

By |2017-03-16T08:22:08+00:00Februar 21st, 2017|0 Comments

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