Meotode: Die verheirateten Hände

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Es gibt viele Konzepte im Karate, einige bekannte, einige weniger bekannt. Oftmals steht Karate im Ruf nicht als realistisches Kampfsystem bestehen zu können. Teilweise begründen diese Vorwürfe auf der Tatsache, dass einige dieser Konzepte nicht verstanden werden, oder einfach nur „unpraktisch“ umgesetzt werden. Hikite, das „zurückziehen der Hand“, die fehlende Deckung und andere seltsam anmutende Konzepte tragen zu diesen Vorwürfen bei. Ein weitgehend unbekanntes Konzept ist das sogenannte Meotode, der gleichzeitige Einsatz beider Hände.

Chibana Choshin mit Meotode

Meotode (夫婦手) könnte als „Ehemann und Ehefrau Hand“ oder eben als „verheiratete Hand“ übersetzt werden. Diese Übersetzung weist klar auf den gemeinsamen Einsatz der beiden Hände hin.

Es gibt viele Beispiele in verschiedenen Kata, bei denen Meotode zum Einsatz kommt, und es sind gerade diese Elemente in den Kata, die auch dem erfahrenen Karateka Kopfzerbrechen bereiten, wenn es um die Umsetzung im Bunkai geht. Dabei ist der Einsatz beider Hände immer dann sinnvoll, wenn man sich in einer engen Distanz befindet, und mal gedanklich den Schritt weg vom wettkampforientierten Kampf um Punkte und Treffer macht.

Ein gutes Beispiel, oder bessergesagt zwei davon, finden wir in der Kata Naihanchi / Tekki Shodan.

Das erste Bild zeigt Motobu Choki in einer Position, die oftmals als Morote Uke (双手受け), also beidhändiger Block (manchmal auch als „verstärkter Block“ bezeichnet) bezeichnet wird. Interessant ist, dass diese Art des Kamae auch eine übliche Kampfposition im Boxen um die Jahrhundertwende (die vorletzte, nicht die letzte) war. Hier ein Bild von John L. Sullivan, seines Zeichens Schwergewichtsweltmeister im Boxen am Ende des 19. Jahrhunderts.

Auch das zweite Bild zeigt Motobu Choki in einer Position aus der Kata Naihanchi, bei der wieder beide Hände zur selben Zeit eingesetzt werden. Oftmals wird diese Bewegung als doppelter Tsuki interpretiert, was in der Anwendung, vor allem in der Position der Füße, zu weiteren Komplikationen führt.

P.S. Einen guten Artikel zu diesem Thema (leider nur in Englisch) von meinem Freund Jesse Enkamp findet ihr auf seinem Blog hier: http://www.karatebyjesse.com/reviving-meotode-the-ancient-okinawan-karate-concept-of-kicking-ass/

/Ganbatte

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By | 2017-03-16T08:19:20+00:00 Februar 18th, 2017|Prinzipien, Vlog|0 Comments

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